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Jeschurun · 1862-04-01 · Heft 7 (April 1862) · p. 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 7 (April 1862)
Article
Deutschland : Karlsruhe, 19. Febr. [Nachricht]
Date
1862-04-01
Page
350 (sequence 2)
Language
German
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350 dessen die ״lithographirte Petition" mit wenig schmeichelhaften Randbemerkungen bei Seite gelegt. Karlsruhe, 18. Febr. Petitionen gegen die bürgerliche Gleichstellung der Juden scheinen von nun bestimmt, die Ouvertüre jeder Sitzung der zweiten Kammer zu bilden. Die Mehrzahl derselben wird als ״lithograplfirt" bezeichnet. Die heute verlesene Zahl beträgt 64. — Der Abg. Fauler legt noch eine Petition gegen die Juden-Emancipation vor und -wirft dabet einen Blick auf die lithogeaphirtcn Petitionen, die in einer alles Maß und Ziel überschreitenden Leidenschaftlichkeit vorangchen und den Charakter einer wirklichen Agitation tragen; selbst angebliche Sätze des Talmuds werden in leichtfertiger Weise der Menge als Angel hingeworsen! Der Minister des Innern erklärt auf die von Fauler an ihu gerichtete Anfrage, daß er die ״anonymen Freunde der Regierung, des Volkes und deö Vaterlandes" nicht kenne. Die Regierung verzichte auf solche Freundschaften und wolle nur Freunde, die mit ihrem Namen einstehen. Diese Petitionen seien ein Erzeugntß der Tagcsfrage. — Federer (Staufen) betont die herrschenden Vorurtheile. In einzelnen Gemeinden habe die ganze Bevölkerung unterzeichnet. Der Präsident des Ministeriums des Innern verweist die Erörterung auf die Debatte über die Vorlage und füge bei: ״Ich bin für die Emancipatton der Juden von A bis Z und bedauere den Eingang der Petitionen " Ans Baden, 19. Febr. Gegenüber den berüchtigten lithographirten Petitionen gegen die Juden-Emancipatton verdient cs alle Anerkennung, daß die badische Presse ihre Pflicht im vollsten Maße erfüllt. Sie scheint bemüht, von der Bevölkerung die Schande abzuwenden, welche ihr drohte, wenn ihre vielgepriesene Freisinnigkcit an dieser Frage der baaren Gerechtigkeit Schiffbruch litte. Das Mtilisterium verharrt fest auf seinem Standpunkte. Die Commisslpn beantragt eine 'Erweiterung des Uebcrgangsstadiums von 5 auf 10 Jahre. Schars agittrt wird an einzelnen katholischen Orten. In Bruchsal soll neulich ein förmlicher Convent von Eoncordatsherren gehalten worden sein; dadurch wird am sichersten der politische Charakter der scheinbar auf religiösen und socialen Vorurthetlen bastreuden Petition in das rechte Licht gestellt. Karlsruhe, 22. Febr. Daß das Gesetz über die völlige politis che Gleichstellung der Juden mit den Christen seine Gegner finden werde, ist an sich nichts Auffallendes. Konnte selbst ein Mann vv» so unbezweifeltem politischem und religiösem Freisinn, wie Rotteck, der heftigste Gegner jener Reform sein, so ist es nicht zu verwundern bei Solchen, die mehr von engherzigen Ansichten und

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