Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 6 (März 1862)
- Article
- Deutschland : Aus Baden [Nachricht]
- Date
- 1862-03-01
- Page
- 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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306 chener, als daß hier noch eine Einwirkung geübt werden konnte. Die ' Emancipationsfrage hat überhaupt eine eigenthümliche Wendung dahin genommen, daß der gebildete Mann sich scheut, ein Voruriheil gegen dieselbe zu bekennen, selbst wenn eres auch in Wahrheit fühlt. Er weiß doch, daß es ein Dorurtheil ist, was er fühlt. Diese allgemeine Anschauungsweise wird auch in der badischen Kammer ihre Einwirkung üben, und keine badische Ortschaft, die eben mit der Sanction des Gewerbegesetzeö den gewerbliche!; Zunftzwang sprengt, wird dann mehr als ״christliche Zunft" ihren jüdischen Mitbürgern einen religiösen Schlagbaum in das bürgerliche Leben legen wollen! Brüssel, 8. Febr. Die durch den Tod des Baron Senttn für Brüssel erledigte Senatorsstelle wird wahrscheinlich dem Banquier Bischofssheim (wenn wir nicht irren aus Mainz gebürtig), der vor zwei Jahren erst die große Naturalisation erhalten, zufallen. Herr Bischofssheim, einer unserer besten Financiers, einer der Direktoren der >,Banque nationale“, ist schon seit Jahren Mitglied des Brüsseler Gemeinderathes und steht in hoher allgemeiner Achtung. Seine Eigenschaft als Israelit (schreiben die liberalen Blätter) empfiehlt ihn doppelt zu diesem Postenda seine Wahl eine neue glänzende Bethätigung der Bestimmung unserer Constitution ist, welche keinen Glaubens-Unterschied vor dem Gesetze und m den staatsbürgerlichen Rechten kennt. .! Portugal. Lissabon, 13. Dezember. Der frühzeitige Tod unseres jungen Königs wird mit Recht von unseren jüdischen Glaubensgenossen in Portugal aufs tiefste betrauert. Wir tonnten die Erfüllung aller unserer Wünsche von ihm erwarten. Er hatte als noch ganz junger! Fürst die große portugiesische Synagoge in Amsterdam besticht und l sich dort sehr günstig über die neue Begründung eines jüdiscken Rej ligionswesens in Portugal mit der Zusage geäußert alles Mögliche zu Gunsten dieser Begründung zu thuu. Am Begräbnißtage zogen wir es vor als besondere Korporation öffentlich zu erscheinen und begleiteten als solche die sterbliche Hülle des vielgeliebten Königs zur Gruft, wie wir auch während der Krankheit' als in allen Kirchen für die Genesung Sr. Maj. gebetet ר wurde ebenso in unserer Synagoge gebetet haben. Es wurde dies von allen Klaffen der Gesellschaft und von allen Organen der portugiesischen Presse aufs günstigste gewürdigt. Der Bau unserer neuen Synagoge wird bald beginnen und hoffen wir die bereitwilligste Unterstützung unserer Brüder im Auslande zu finden um ein für unsere Wiederbegrüudung im Portugal nach dreihundertjähriger Verbannung so wichtiges Unternehmen glücklich zu Ende zu führen. (Univ. Jsr.) ן׳י/