Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 6 (März 1862)
- Article
- Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen
- Date
- 1862-03-01
- Page
- 285 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932912-2946706--07271-2946759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen. IV. 285 Deuten wir noch mit wenigem den Gedankengang dieses Psalm's an. Die Erde und Alles, was die Erde spendet, gehört unmittelbar und unwandelbar der Leitung Gottes an, darum ist auch die Menschenwelt und die ganze sich in ihr gestaltende Menschengesellschaft sein. Denn schon in ihren ersten Grundlagen ist die Menschengesellschaft durch die für dieselbeprojektirte Gestaltung der Erde bedingt, die Vertheilung von Land und Wasser, von Meer und Eontinent, und wieder die durch die Wasserscheide der Ströme modificirte Bodenbeschassenheit der Eontinente und Länder gaben und geben der Ansiedelung und Entwickelung der Menschengesellschaft ihre Verbindung und Richtung, und somit ist es Gott, der auch die Menschengesellschaft in ihren Grundlagen und Entwickelungszweigen gegründet und fort und fort erhält und leitet. Die ganze Erde mit der sich auf ihr und an ihr entwickelnden Menschenwelt ist daher ein Gottesberg, und jeder Fleck auf ihr eine Ihm geheiligte Stätte, und berechtigt ist darum die Frage, wer auf dieser Gottes-Erde Bestand und Heil gewinne? Ebenso nahe liegt aber auch die Beantwortung dieser Frage: Nicht der mehr oder mindere Antheil an dieser Erde, sondern der mehr oder minder gotttreue Gebrauch dieses Antheils bedingt alles endliche Bestehen und Heil und nur derer ist die Zukunft auf der Gottes-Erde, die, wenn gleich nur mit dem bescheidenen machtlosen Jakob-Antheil ausgestattet, nicht die Macht-Größe, sondern die Gottes-Treue suchen und ihr Streben darin aufgehen lassen, rein an Hand und lautern Sinnes jeden Ath'emzug als von Gott gewährt und im Gottes-Dienste zu verathmen. Diese Zukunft der Menschenwelt auf der Gottes-Erde, diese Herrschaft Gottes in der Menschenwelt, sie ist das unwiderstehlich von Gott herbeigeführt werdende Ziel aller Menschen-Geschichte. Nicht draußen, in dem außermcnschlichen Reiche der Natur, wird für immer nur die Herrlichkeit Gottes thronen. In die ״Thvre", in die Gestaltungen der staatlichen Menschengefellschaft zieht Gott in der Majestät feiner Herrschaft ein. Freilich sträuben sich diese Gestaltungen, gewaltsam gehoben — הנשאו — müssen zuerst ihm ״Thore" werden, daß Raum werde für die Gottes-Majestät. Kämpfend und mit unwiderstehlicher Allmacht alles Widerstrebende und Wider-