Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1862)
- Article
- Jüdisches Leben auf dem Lande
- Date
- 1862-02-01
- Page
- 250 (sequence 5)
- Language
- German
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250 Jüdisches Leben aus dem Lande. neunjährigen Kindern setzen zu müssen. Man sollte demnach auf dem . j Lande diese Sachlage dankbar anerkennen, man sollte sich freudig j bewegt fühlen, wenn man nicht hinter der großen Stadt zurückbleibt, j Leider ist dies nicht der Fall; man schließt anders. ״Wie, sagt man, wäre es nicht —nachdem Verbilde der Stadt— angemessener, wenn man auf Kosten des Pentateuch- und Gebetunterrtchts die deutschen Fächer erweiterte? Ist doch Deutsch die Hauptsache und für's Leben unserer Kinder uothwendtger und heilsamer." Solche Worte hört ein Lehrer auf dem Lande täglich, und hat trotz aller Einwendungen nicht eher Ruhe, bis er dem Laudrabbiner den Vorschlag zur Diminutive der hebräischen Stunden macht, und wie sähe es um diese aus, wenn Jener Vorschläge solcher Art genehmigte! Der Leh- ] rer hat jetzt, den Vätern und Müttern gegenüber, einen Rückhalt; j aber wenn das Haus mit der Schule streitet, wenn gar die Kinder s Kunde von der Gesinnung der Eltern erhalten, so ist dem Uebel noch! nicht viel abgeholfen und der gedeihliche Fortschritt gefährdet. j Wie aber, drängt sich die Frage auf, ist diesem Uebel denn abzuhelsen? Wir wissen nur eine Antwort darauf: Wecket den rcligiösen^inn der Eltern für das Gute und Erhabene unseres Judenthums! Zeigt ihnen, daß die Thauro einen kostbaren Schatz für uns birgt und mit vollen Händen denen giebt, welche sie lieben, daß sie mit starker Rechte Leben und Zufriedenheit, mit voller Linken Reichthum und Ehre ihnen schenkt. Und wo anders könnte dies besser zu vollbringen sein, als im Gotteshause, wo der Sinn für Ernst und Erhabenes so leicht geweckt werden kann. Für Gotteshaus und ׳; Andacht bleibt noch Vieles zu wünschen übrig! Wenn das Wesen j; derselben auch in letzterer Zeit bedeutend gewonnen hat, und manches Ungeeignete, das Unanständige des Durcheinander und des Wesens, wie es vielfach auf dem Lande eingerissen war, durch treffliche Eini richtungen gehoben ist und der Betende sich nicht mehr den Vor-?! wurf des Zurückseins hinter dem Bauer zu machen braucht, so ist l doch noch Manches, das gute und heilsame Folgen herbeiführen würde, cinzurichten. Wir wollen nur den gänzlichen Mangel an ein deutsches Wort, das kaum je im ganzen Jahre zu dem Herzen des Jsraeliten auf dem Lande geht, hcrvorheben und zugleich darauf hindeuten, daß es den Lehrern zur Pflicht gereichen sollte, für die Ab-