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Jeschurun · 1862-01-01 · Heft 4 (Januar 1862) · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 4 (Januar 1862)
Article
Deutschland : Eine umgekehrte Mortara-Geschichte [Nachricht]
Date
1862-01-01
Page
211 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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211 (Eine umgekehrte Mortara-Geschichte.) In einem Dorfe bei Schwechat erkrankte ein auf Kosten der Gemeinde bei Bauersleuten in Pflege gewesener Waisenknabe, der nach katholischen Grundsätzen erzogen wurde. Der Arzt, der den erkrankten Knabeu untersuchte, fand, daß derselbe nach Vorschrift des israelitischen Glaubens die Beschneidung erhalte» habe, und da die Erhebungen ergaben, daß der Knabe nie getauft wurde, somit bezüglich dessen Erztehung ein Jrrthum obwalte, wurde er vorläufig der israelitischen Cultnsgemcinde übergeben. Schweiz. Aarg au. Der große Rath hat die Emancipation der Juden beschlossen. Rußland. Warschau, 6. Dec. Die Gefangenen werden iu dcrCitadelte standesgeniäß behandelt und erhalten eine gute Beköstigung, für welche di« Regiernng 75 Kopeken (25 Silbergroschen) täglich pro Person zahlt. Auch Wein und dergleichen nebst Cigarren werden zugelassen, wenn die Gefangenen die Kosten dafür aufwenden, oder diese Gegenstände von Andern erhalten. Dem der strengen israelitischen Richtung angehörenden Ober-Rabbiner Mehsels ist sogar Koscheressen gestattet, und er sowohl wie Dr. Jastrow, der reformjübischer Prediger, darf als Ausländer die Seinigen sprechen, was den Inländern vor Beendigung des Verhörs nicht erlaubt ist. Schreiben dürfen die meisten Gefangenen an die Ihrigen, natürlich nur offene Briefe. — Die Verhaftungen, heißt es in einem andern Schreiben, daueru noch immer fort; heute ist am Tage ein Beamter in der Schatzcommission verhaftet worden, wobei eine strenge Revision stattfand. Dagegen werden auch nach und nach mehrere der Ver- Haftung entlassen, und sollen auch der Ober-Rabbiner, so wie die jüdische» Prediger, davon der eine, Dr. Jastrow, ein Preuße, dieser Tage frei werden. (Bresl Z>) Außer dem Gemeindevorsteher, Herrn Feinkind ist noch keiner von den in der Citadelle verhafteten jüdischen Individuen befreit worden. Auch Pastor Otto schmachtet noch dort. Täglich sind Hunderte von Besuchern in der Citadelle aus der Stadt, die durch bessere Lebensmittel und mündliche Tröstung das Loos der unglücklichen Gefangenen zu erleichtern suchen. Diese Nacht wurden wieder mehrere jüdische angesehene Kaufleut« verhaftet, jedoch heute nach ersterem Verhör wieder sreigelassen. (Nat.-Z.) Warschau, 10. Dec. Die jüdischen Rabbiner Meisels und Dr. Jastrow sollen des Landes verwiesen sehn und dieser Tage bis zur Gränze per Eisenbahn escortirt werden. Herr Mei-

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