Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Deutschland : Mecklenburg [Nachricht]
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 210 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Wegs, daß die Ausschließung der Juden den Anforderungen eines freieren Staatslebens nicht entspreche; so lange jedoch unser engeres Vaterland au seinen patrimonialen Einrichtungen festhalte und Handel und Gewerbe keineswegs die ihnen gebührende Berücksichtigung und Vertretung fänden, so lange die ganze staatsrechtliche Stellung der Juden nicht eine andere und eine den übrigen Staatsbürger» gleichberechtigte geworden sey, könne man zur Aufnahme derselben in Rostock nicht einwilligen. Ueberigens müsse das Quartier zu dieser vorläufigen Erklärung die Genehmigung der Kaufmannscompagnie, seiner Committentin, Vorbehalten, hoffe aber, daß dieselbe erfolgen werde. — Weimar. 22. Nov. Nachdem unlängst ein ungarisches Paar, von welche der Bräutigam Jude und die Braut Christin war, von dem Oberrabbiner in Eisenach und einem aufgeklärten christlichen Geistlichen eingesegnet ward, ist dieses jetzt auch bei einem solchen Mischpaar aus England geschehen. (Cob. Z.) Vom badischen Rheine, 29. Dec. Trotz der großen und erfreulichen Einheit der staatlichen Anschauungen, welche unter der weitaus größeren Mehrzahl der Mitglieder unserer zweiten Ständekammer herrscht, wird doch bei der Diskussion über die Verleihung des vollen Bürgerrechts an die Juden eine Verschiedenheit der Ansichten scharf sich entgegentreten. Fehlt es auch nicht an vollwichtigen Gründen, die Juden völlig zu emancipiren, so haben diese Gründe doch bei den niederen und niedersten Ständen des Volkes bis jetzt noch keine rechte Geltung erhalten. In sehr vielen Ortschaften und Städten des ganzen Großherzogthums, ja sogar in größeren Bezirken im Oberlande (wir verstehen darunter den oberhalb Freiburg gelegenen Landeötheil) durften bis jetzt die Jude» nur sich ansässig machen, wenn die Gemeinden selbst dieses gestatteten. Für die Er- Haltung dieses Rechtes erklären sich jetzt die Gemeinden und Bezirke auf daö Bestimmteste, und sie zu zwingen, ohne ihre Zustimmung, Juden in ihrer Gemeinde aufzunehmcn, würden sie für für eine Antastung ihres uralten Rechtes ansehen. Dabei erinnern sie noch imwer daran, wie, als vor Jahren in der Kammer die Emancipation der Inden verhandelt wurde, Einer ihrer gefeiertsten Abgeordneten, Kuenzer, erklärterer wolle lieber die Cholera als die Juden-Emancipation nach Hause bringen. (F. I.) Schleiz, 22. Dec. Im Fürstenthum Reuß j. L. ist bei den letzthin stattgefundenea Gemeinderathswahlen zum ersten Mal ein Jude (in Hirschberg) gewählt worden. Derselbe ist über- Haupt der einzige Amtsangehörige seines Glaubens im ganzen Fürstenthum. (D. A. Z.)