Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Cheschwan
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 65 dadurch selbst aus deinem Beispiele ״eigensinnig sein" lerne, vielmehr erkenne, daß auch du mit allen deinen Anforderungen nur dem Diktat deö Guten folgest und selbst unter das Gebot eines Hö- Hern dich stellst. Allein folgen soll es sa selbst dann deine» Anforderungen nicht, weil es sie selbst für gut und heiltsam erkennt, sondern aus pflichtgemäßer Unterordnung unter deine bessere, höhere Intelligenz. Nur durch diese Unterordnung unter ein höheres Diktat werden ja alle unsere Lebenöschritte sittliche Handlungen, sonst sind sie häufig nichts mehr als Resultate der Klugheit und der Nützlichkettsberechnung und wurzeln in dem größten Feinde aller Sittlichkeit, dem Egoismus, der Sorge für sich selbst und um sich selbst ans bloßer Liebe und Verehrung seiner selbst. Nicht früh genug können wir daher den Zögling in jener Fähigkeit und Fertigkeit üben, die bis an sein Grab hinan all seine künftige Sittlichkeit bedinge» wird, nicht früh genug im Gehorsam üben und durch wiederholte Uebung an Gehorsam, d. t. an selbstbeherrschende Unterordnung seines Willens unter ein höheres Gebot gewöhnen. Meinen wir doch nicht, daß dies Zeit hätte. Ueben und gewöhnen wir das Kind nicht im Gehorsam, et, so üben und gewöhnen wir cs ja im Gegentheil unb haben dann, wenn.wir später Folgsamkeit von ihm fordern und sie nicht finden, nicht mit der ״bösen Natur" des Kindes, sondern mit unserm eigenen Unverstände zu kämpfen, der zuerst bereits Jahre lang — und der fortgesetzte Eindruck zweier ersten Jahre ist ein überaus langer und nachhaltiger, weil er eben die noch frische, völlig unbestimmte Natur des Kindes getroffen — also, meinen wir, mit unserm eigenen Unverstände hätten wir dann zu kämpfen, der zuerst Jahre lang das Kind in Etgenwilltgkcit und Eigensinn übte und gewöhnte, also ganz eigentlich verwöhnte, und nun eine plötzliche Umkehr erwartet und fordert, daß nunmehr die eigensinnige Eigenwilligkeit in gefügige Folgsamkeit umschlage und ihren Sinn und Willen unserm Sinne und unserm Willen unterordncn. Im ersten und zweiten Jahre und oft noch länger gehorchen unverständige Eltern dem Kinde, lächeln über seine ״Unarten", gewähren ihm, damit cs nur nicht schreie, Alles, und sehen nicht, daß sie mit dieser unverständigen ״Schwäche" — — dem größten Gegensätze zu der von dem אומן zu erwartenden Festigkeit und Stärke — dem Kinde und sich vielleicht aufs Leben