Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1861)
- Article
- Deutschland : München [Nachricht]
- Date
- 1861-06-01
- Page
- 508 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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508 zur Geltung kommen solle. — Der Referent, Fürst Hohenlohe, bemerkt, daß durch eine derartige Clausel der ganze Beschluß tllusorisch werde, und die Juden in eine schlimmere Lage versetzt würden, als durch das Edict von 1813. Referent glaubt, die Emancipation der Juden widerspreche nicht der modernen Idee des christlichen Staates, der ein Staat der Gerechtigkeit sei, und daher den Begriff der Rechtlosigkeit eines Individuums längst aufgegeben habe. Die in den Eingaben ausgedrückte Befürchtung, daß die Israeliten die Märkte und kleinen Städte, wo bisher noch keine Juden weilten, überschwemmen könnten, hält Referent für unbegründet, weil der Jsraelite zu seiner geistigen und physischen Existenz das Zusammenleben mit andern Glaubensgenossen nicht entbehren könne und gewtß nicht dorthin ginge, wo ihm die Feindseligkeit christlicher Mitbürger unüberwindliche Hindernisse entgegensetze. Die Pfalz beweise, daß die Juden sich nicht der Wirthschaften bemächtigen, um sie gleichsam zu Börsen umzugestalten. — Graf Giech vertritt die Eingabe der Münchener Judeuschaft gegen jenes Veto und reproducirt sein früheres Votum vom Jahre 1850/51 zu. Gunsten der Israeliten. — Oberconsistortalrath v. H artest will rein uns Gerechtigkeit auf die Seite der Abgeordneten treten, deren Stimmen ihm mehr gelten, als jene ' 4 Petitionen. Man werde doch die Juden nicht schlimmer stellen wollen, als sie factisch unter der Geltung des Edikts von 4813 standen? — Frhr. v. Aretin stimmt für das absolute Veto der Gemeinden. Manche Orte, wo sich Juden niedergelassen haben, wären dadurch gänzlich verarmt. — Frhr. von Thüng en gibt zu bedenken, daß der bayerische Staat, wenn er den Israeliten gegenüber gerecht werde, sich dadurch 50,000 treue Unterthanen erwerbe, im andern Falle aber eben so viele gefährliche Feinde sich mache. Die Juden Savoyens hätten sich mit Freuden an Frankreich angeschlossen, weil sie dort politische Freiheiten erlangten. —Bischof v. Dinkel von Augsburg verweist auf die Sonderstellung der Israeliten, die sich nicht auf ihre Religion, sondern auf ihre Erwerbsart stütze. Als geborener Franke, bemerkt Redner, habe er selbst noch keinen Israeliten hinter dem Pfluge gesehen und wohl einzelne israelitische Handwerks-Lehrlinge, aber sehr wenige Meister kennen gelernt; alle wären dem angeborenen Hange zum Handel gefolgt. Jndeß zollt Redner der Sabbathfeier, Mäßigkeit, Ausdauer, Arbeitsamkeit und dem innigen Familienleben der Juden volle Anerkennung und gibt schließlich doch dem Beschlüsse der Volkskammer seine Zustimmung. Deßgletchen der Erzbischof von Müncheu-Freising, v. Scher, der den Kernspruch citirt: was du nicht willst re. und ihm die trefsenden Worte beifügt, daß er es tief beklagen würde, wenn seine Glaubensgenossen unter ähnlichen Gesetzen, wie die Juden leben