Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Deutschland : München, 11. März [Nachricht]
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 451 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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453 ״Der Priester (Mallet) hat vier junge Mädchen entführt, vier Schwestern. Er suchte auch die fünfte zu bekommen, aber sie entkan! ihm. Bon den vier Schwestern wurden ihren Eltern zwei wahnsinnig wiedergebracht. Eine konnte lange nicht ausgefunden werden und die vierte ist spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen der Justiz und der Eltern, selbst die Autorität des Siegelbewahrers, scheiterte an den Lügen der Geistlichkeit. Das junge Mädchen wurde von Kloster zu Kloster gebracht, — auf Nachfragen im Namen, des Gesetzes antworteten Nonnen mit Lügen, Prtester mit Meineiden oder wenigstens Mentalreservationen, Alles un-- ter dem Vorwand der Religion und um Jüdinnen zu bekehren. Diese Mädchen wurden getauft und waren so gut bekehrt, daß sie wahnsinnig wurden. Der Anfang dieser Geschichte fällt ins Jahr 1853, lange vor der Mortara-Geschichte, von der so viel Lärm gemacht wurde. Der Clerus in Frankreich ging freilich vorsichtiger zu Werk, als der in Rom. Ec hat seine Klöster, so z. B. das der ״Sainte Union", daS zahlreiche Zweigktöster im Norden Frankreichs und in Belgien hat. E n junges Mädchen wird z. B. von einer Ordensschwester weggenommen, die einen ״Befehl" von dem Obern des Haupthauses in Cambraix verweist; das Mädchen wird in jedem der Klöster einige Tage behalten und in jedem unter einem andern falschen Namen, so daß man ihm unmöglich folgen kann. Kommt ihm aber trotzdem die Justiz aus die Fährte, so bringt man es über die Gränze nach Belgien und dann hat die Verfolgung ein Ende. Eine der fünf Schwestern entkam dem Mallet; von denen, die durch seine Hände gingen, ist die eine wahnsinnig, die andere war es und die vierte kann man nicht finden. Was ist aus ihr geworden? Der Angeklagte weiß es nicht, sein Hausmeister weiß cs nicht, die Vorsteher der Gemeinde wissen es nicht, der Großvicar weiß es nicht. Sie werden in das Dunkel von Betrügereien und kühnen Verlaugnungen gestürzt, in denen die Justiz nichts thun kann und vor denen die Gesellschaft im Schrecken zurückschaudert. Im Schrecken? — Ja, gewiß, denn es ist nun erwiesen, d^-ß man un- Ler religiösem Vorwand unsere Kinder nns nehmen kann; daß man über den Jammer der Väter und die Thränen der Mütter lacht und daß die Gerechtigkeit des Landes zum Spott gemacht werden kann." Anzeige n. Lehrer-Waenrrz in Z-rffy. Zur Leitung einer jüdischen Realschule in Jassy wird ein Lüch- Liger Oberlehrer gesucht. Allgemein wissenschaftliche, insbesondere pä-