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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Deutschland : Wien, 7. März [Nachricht]
Date
1861-05-01
Page
448 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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448 der verschiedenen Religionen. Während man in Rußland den Zuden gewaltsam den Bart scheerte, wählte das streng christliche, aber A freieste Volk Europas, wählten die Britten nicht nur Juden in den Gemeinderath ihrer Metropole, sondern ein Jude war bereits Lordmajor Londons. Uns Leopoldstädtern, in deren Mitte Israeliten so zahlreich wohnen, kommt es zu, wenigstens einen derselben in den Gemeinderath zu schicken. Ja, wir sind als Ehrenmänner gewissermaßen dazu verpflichtet, indem wir die Hunderte ihrer Stimmen, welche sie für unsere bereits gewählten Räthe abgaben, benützt haben. Indem ich dem ersten Wahlkörper, dem natürlichen Sammelplatz der Intelligenz unserer Vorstadt gegenüber diesen Antrag stelle, wird wohl jede Debatte darüber überflüssig und nur nöthig sein, sich über die zu wählende Persönlichkeit zu verständigen. Schließlich muß ich noch bemerken: Ich heiße Mayern, ein Name ähnlich dem vielfach bei Israeliten vorkommenden Mayer. Glauben Sie nicht etwa, daß ich pro domo sprach. Meine Familie ist eine uralt katholische und kein Tropfen Judenblutes fließt in meinen Adern, aber es kommt in Wallung, wo immer ich sehe, daß unverjährbare Menschenrechte mit Füßen getreten werden. — Gewählt ist Moritz Pol-- lack, Großhändler, als Gemeinderath. (N. N.) Wien, 1. April. Die ungarischen Blätter berichten fortwährend von tumultuarischen, von den gröbsten Ercessen begleiteten Wahlvorgängen. So wurde in Galgocz (Neutraer Comitat) die Abstimmung durch großes Getümmel, Herumbalgen, Steinwerfen und Blutvergießen unterbrochen und der Präses selbst befand sich in Lebensgefahr. — In Bag-Becse kamen ähnliche Erceffe vor und wenn die Becseer Israeliten nicht viele der Wehenden verborgen hätten, so wären diese dem Tode nicht entgangen. — Man lieft in der ״Tribüne": ״Der Redacteur der ״Kirchenzeitung", Pater Sebastian Brunner, hat in seiner längst rechtskräftig entschiedenen Angelegenheit gegen den Redacteur der ״Ost- Deutschen Post" bei dem obersten Gerichtshof eine demnächst zur Erledigung kommende Eingabe eingebracht." — Am 26. v. M. schritten die Bewohner Moors, eines Marktes im Weißenburger Comitat, zur Wahl eines Deputirten für den Landtag. ״Man befahl", erzählt die ״Presse", ״den Wählern, darunter auch den Juden, auf das strengste, im Gemeindehause bei der Wahl zu^ erscheinen. Was geschah nun? Die Juden, die sich beikommen ließen, dem strengen Befehle nachzukommen und bei der Wahl zu erscheinen, wurden unter Citirung des Gesetzes vom Jahre 1848 unter dem Hohngelächter Spießbürger der aus dem Gemeindehause hinausgeschafft." — Wie dem ״P. Naplo" aus dem Eisenburger Comitat ge-

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