Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Deutschland : Stuttgart [Nachricht]
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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345 den Antrag gestellt, die Regierung möge ein Gesetz erlassen, welches laute: ״Durch das religiöse Bekenntniß wird der Genuß der bürg erlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt, noch beschränkt." Wir zweifeln, ob das gegenwärtige Ministerium, das Württemberg mit einem Concordat beglücken will, den Wünschen der Israeliten entspricht. Herr v. Linden ist ein zu strenger Katholik! (F.F.) Eßlingen, 17. Febr. Der heute dahier stattfindenden Versammlung württembergischer Israeliten wohnten über 160 Abgeordnete beinahe sämmtlicher Gemeinden des Landes an. Die Anregung zu dieser Versammlung ging von einem Comitä der israclitischen Gemeinde in Ulm aus und hatte zum Zweck, die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten mit andern Confessionen zu erwirken. In der Hauptfrage waren alle Anwesenden einig, und es handelte sich daher nur darum, welche Schritte als die geeignetsten zur Erreichung des Zieles angeweiidet werden sollen. Nach einer detaillirten Diskussion eignete man sich dahin: es solle eine Eingabe an den König und eine an die Kammer der Abgeordneten sofort eingereicht werden, in welchen diejenigen Ausnahmsbestimniungen gegen die Israeliten enthalten sind, deren Beseitigung als ein Act der Gerechtigkeit und als ein Erforderniß der Zeit erscheine. Die Weiterbesorgung der Sache wurde einem erwählten Comite von 15 Mitgliedern übertragen, an dessen Spitze Herr Oberjustizprocurator Heß aus Ulm, der auch heute den Vorsitz führte, steht. (Schw. MI Franks» rt a. M., 12. Jan. Die literarischeSectiondes hiesigen Vereins für Alt erthum stunde hielt gestern ihre erste Sitzung im neu begonnenen Jahre, unter deni Vorsitze des Herrn Dr. Euler. — Hr. Prof. Dr. Krieg! hielt einen auf authentischen Urkünden begründeten Vortrag über die Geschichte der Juden im Mittelalter und insbesondere über die Lage der Frankfurter Juden, den Christen gegenüber, woraus sich ergab, daß die Christen überhaupt, sowie die deutschen Könige und die Frankfurter Behörden insbesondere zu damaliger Zeit weit humaner gewesen sind, als in den darauf folgenden letztvergangenen drei Jahrhunderten. Das Wort ״Kammerknechte" sei damals nicht in der schroffen Bedeutung zu verstehen gewesen, welche es später bekommen, denn König Nupprecht gebraucht in einem 140 l den Juden gegebenen Gnadenbriefe das Beiwort ״Edel" und unedle Juden. Dre einzige Judenverfolgung in Frankfurt war i. I. 1246 wegen eines jungen Juden, der zum Christenthum übergehen wollte und deßhalb von seiner Familie mißhandelt wurde, wodurch ein Kampf entstand, bei welchem von 178 Juden 80 erschlagen wurden oder in den Flammen umkamen, 23 durch die Taufe sich retteten, die übrigen aber entkamen. Die zweite im Anfänge des 14. Jahrhunderts ging von den söge-