Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Deutschland : Nakel [Nachricht]
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 181 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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181 widerspreche eine Schule zu pflegen, welche Jesum Christum, meinen hochgelobten Heiland und Erlöser, verlang net." Der Schulvorstand schloß sich darauf der Bitte des Pastors N. an, und bat die königliche Regierung, die Inspektion über die jüdische Schule dem Rabbiner Dr. Frteduiann zu übertragen. Die königliche Regierung hat nun in einer vor einigen Tagen hier eingegangenen Verfügung dem Pastor N. die Inspektion über die jüdische Schule abgenommen und dieselbe dem Rabbiner Fr. übergeben. Sie hat dadurch in dieser Frage das Princip der Gewissensfreiheit zu voller Geltung gebracht. Wenn der Geistliche es schon mit seinem christlichen Bewußtsein nicht vereinbar hält, die Schule zu pflegen, die anders glaubende Kinder enthält, so liegt es auf der Hand, daß die Juden sich in ihrem Gewissen beeinträchtigt fühlen mußten, ihre Schule von einem Geistlichen inspirirt und geleitet sehen, der sein Bekämpfen des Judenthums so offen zur Schau trug. (Pos. Ztg.) Oels, 29. Oct. Am 26. fand Hierselbst ein Kreistag statt, der von den Kreisständen sehr zahlreich besucht war. Die beiden Israeliten, welche seit Abhaltung des letzten Kreistages Rittergüter im Kreise erworben haben, waren nicht erschienen. Am Schluffe deS Kreistages übergab der Landschafts-Direktor v. Rosenberg-Lipinski dem Landrath eine von 27 Mitgliedern aus allen drei Ständen Unterzeichnete, das Reskript des Ministers des Innern, nach welchem die jüdischen Rittergutsbesitzer auf dem Kreistage erscheinen dürfen, betreffende Rechtsverwahrung. Es war damit der Antrag verbunden, dieselbe dem Kreistagsprotokoll bcizusügen und zur weiteren Veranlassung an die königliche Regierung gelangen zu lassen. Eine Discusfion darüber fand nicht statt, war auch von den Antragstellern nicht beabsichtigt. (N. Pr. Z.) Königsberg, 6. Nov. Eine interessante principielle Entscheidüng ist soeben hier angeregt worden. Bekanntlich hat der Minister v. Bethmann-Hollweg im Maiheft des ״Centralblattes für die Unterrichtsverwaltung" den sogenannten consessionellen Charakter der preußischen Universitäten (abgesehen von der Akademie zu Münster) dahin zusammengefaßt, daß in Berlin und Breslau alle dazu Fähige, in Bonn nur Protestanten und Katholiken, in Königsberg, Greifswald, Halle, also geradezu der Hälfte, ausschließlich Prote״ stanten als Lehrer angestellt werden dürfen. Dieser Tage hat nunmehr ein Bekenner des Judenthums, der hiesige praktische Arzt Dr. Samuel, unter Einreichung seiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten bei der medtcinischen Facultät unserer Albertina seine Habilitation für dos Fach der allgemeinen und experimentellen Pathologie uachgesucht. Es ist kaum daran zu denken, daß die Fakultät sein Gesuch abweist, da in der philosophischen schon ein Präcedenzfall existirt, in welcher der Prediger der jüdischen Gemeinde Pro-