Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Deutschland : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932895--06160-2945404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 Energie, und stellte sich, nicht ohne Gefahr für seine Person, dem Andränge entgegen. Der aufgeregte Pöbel war aber nicht so leicht zum Weichen zu bringen und der Stadthauptmann sah sich genöthigt, daran zu erinnern, ״daß die alte Schande noch nicht verwischt, die alten Narben noch nicht verharrscht und die vor Jahren nicht nur dem Judenthume, sondern auch dem Christcnthüme, daS ist dem Bürgerthume Preßburg's geschlagenen Wunden noch nicht geheilt seien." Der Pöbel wich hierauf einige Schritte zurück, jedoch ohne friedlich und ruhig auseinander zu gehen. Mittlerweile wurde die sämmtliche städtische Wachmannschaft unter Waffen gerufen. Dieselbe besetzte die Zugänge zur Judengaffe auf beiden Setten und die versammelte Menge verlor sich nach und nach. Einige Faustschläge abgerechnet, kamen hier Balgereien nicht vor. Dank der Umsicht und Mäßigung des Stadthanptmanns, ist diese Nacht ohne. Gefahr verlaufen. Wüthender und aufgeregter benahm sich jene Abtheilung, welche von der Märzen- und Non nenbahv gaffe herkam, durch die Gaisgaffe zog und daselbst in einer ganzen Häuserreihe die Fensterscheiben einschlug, weil nicht beleuchtet wurde, obwohl in der Stadt nirgends beleuchtet war. Auch im Hermann Tvdcsco'schen Stiftungsgebäude wurden die Fenster mit Steinen eingcworfen. — Als Gegcnsatz zu diesen betrübenden Erscheinungen berichten wir gerne, daß die Stadt Njtredjhasä der jüdischen Gemeinde daselbst einen freien Platz und 40,000 Brennziegel zur Erbauung einer Synagoge geschenkt hat. Rakel (Provinz Posen), 28. Oct. Bor einigen Tagen hat die königliche Regierung zu Bromberg eine Entscheidung getroffen, die allgemeine Befriedigung hervorgerufen hat. Vor ungefähr einem Jahre wählte der hiesige jüdische Schulvorstand den Rabbiner vr. Friedmann als technisches Mitglied in den Schulvorstand. Der Pastpr Nitzschke, als Schul-Jnspector, bekämpfte sehr lebhaft diese Wahl und verlangte von der königlichen Regierung die Annullirung derselben, weil sie nach seiner Meinung aus einem emancipationssüchtigen Gelüste hcrvorgegangen, dem er entgegen zu treten sich verpflichtet fühle. Die königliche Regierung bestätigte indessen die Wahl des Rabbiners Fr., übertrug ihm die Mitaufstcht über den religiosen und hebrätscheu Unterricht in der jüdischen Schule und gab dem Pastor N. aus, die Differenz mit dem jüdischen Schulvorstand auszugleichen. Der Pastor N. besuchte seitdem die Sitzungen des Schul- Vorstandes nur äußerst selten, und vor einigen Wochen ging dem jüdischen Schulvorstande folgendes Schreiben des Pastors Nitzschke zu: ״Dem jüdischen Schulvorstande zeige ich hiermit an, daß ich aus eigenem, freiem Entschließen die königliche Regierung gebeten habe, mich von dem Schul-Jnspektorate über die jüdische Schule zu Rakel entbinden zu wollen, weil es meinem christlichen Bewußtsein