Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 11 (August 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-08-01
- Page
- 617 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda. 617 nicht im Mindesten von der des säubern Herrn Vehse vcrschieden." Präsident: Ich muß sie hier aufmerksam machen, daß die allfällige Beschuldigung einer Schmähung sich auf den Beisatz ״saubcr" gründet, der auf Dr. Brunner ausgedehnt wird, welcher es eben so machen soll, wie der berüchtigte Vehse. Warum machten Sie diesen Beisatz? Herr Kuranda: Die hier verlesene Stelle meines Aufsatzes besteht aus zwei Hälften. Zuerst wird geschildert, wie Herr Vehse bei seinen Arbeiten vorgegangen ist, und bei dieser Gelegenheit habe ich meinem literarischen Unwillen gegen diese Art, Geschichte zu schreiben, Ausdruck gegeben. Im zweiten Absätze, wird dem Herrn I)r. Brunner der Vorwurf gemacht, daß er literarisch gerade so vorgeht wie Jener, der wegen seines Verfahrens als Historiker in Berlin (wenn ich nicht irre) mit sechs Monaten abgestraft worden ist. Das Wörtchen ״sauber" bezieht sich auf Vehse und nicht ans Dr. Brunner. Dasjenige, was zwischen Herrn Brunner und Vehse eine Aehnlichkeit, eine verdammungswürdige Aehulichkeit begründet, das ist die Prozedur. Vehse nimmt ein altes Buch, findet darin eine skandalöse Geschichte über Habsburger, Hohcnzollern oder ein anderes deutsches Fürstenhaus, er findet da und dort ein Pamphlet ohne eigentlich historischen Charakter, aber es wirft ein gehetmnißvolles und schlechtes Licht auf dieses oder jenes Fürstengeschlecht, eö ist pikant, es macht Skandal und das genügt. Vehse's Arbeiten bestehen zumeist aus einer Masse ungeordneter, kritikloser, oftmal sogar in tendenziöser Weise mißbrauchter Stoffe und widerlegter Be- Hauptungen. Ich bitte den Herrn Präsidenten mir zu gestatten den Beweis zu führen, daß es Herr Brunner genau so macht wie Vehse. Es ist dieses nothwendig für unsere beiderseitige literarische Ehre, für meinen Gegner, wenn er sich von diesen Vorwürfen losmachen kann, für meine Ehre, wenn ich es beweisen kann. Dieser Proceß ist nicht ein gewöhnlicher Zankprozeß; es ist kein Prozeß zwischen Persönlichkeiten; es ist ein literarischer Prozeß, in welchem es sich um die Ehre der Wiener Literatur, um den Ruf unserer Bildung handelt. Ich bitte daher, den Beweis für dasjenige führen zu dürfen, was ich geschrieben habe- Präsident: Den Beweis zu führen steht Ihnen frei. Neh-