Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 570 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Herr Knranda: So ist es. So wie nach dem Geerecht die Flagge das Handelsschiff deckt, so soll der Titel ״Kirchenzeitung" die Waare decken, die sie führt. Wenn Herr Di•״ Brunner seiner Zeitschrift einen andern Namen geben würde, so bin ich fest überzeugt, das ganze Wiener Publikum würde sagen: Wie kann man so etwas in Wien drucken lasten? Allein jene Artikel stehen in einer ״Kirchen-Zeitung" und sie haben die Präsumption für sich, etwas Ehrwürdiges zu sein; diese Ehrwürdigkeit eristirt aber nicht und dies muß konstatirt werden. Es ist unerhört, daß ein Blatt wie dieses sich ״Kirchenzeitung" nennt; es ist dies eine Usurpation eben so, als wenn auf ein Buch, das etwas Profanes enthält, ein kirchlicher Titel gesetzt würde. Präsident: Die Achtung, die Sie dem Titel ״Kirchenzeitung" zollen, steht aber im Widerspruche mit dem dritten Anklagepunkte, der doch unmittelbar gegen die ״Kirchenzeitung" gerichtet ist: ״Die ״Wiener Kirchenzeitung" — was stellt man sich nicht unter diesem pompösen Titel vor.... Und was findet man? Eine Harlequinsjacke von ausgeschnittenen Zeitungsfetzen, Nachdruck und wieder Nachdruck, wobei das Redaktionssystrm nicht etwa in der Erweckung kirchlichen Geistes, sondern in der Befriediguug der Skandalsucht liegt. (Fortsetzung im nächsten Hefte.)