Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Augensprache
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 383 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932885-2944590--05532-2944654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bo» Dr. B. Placzek. 383 Jene reinen Blumen senden Aus dem hohen Himmelsblau Ihren Schwestern auf der Erde — Den erquickend frischen Thau. — Doch wenn Vater Tag gekränket Wendet ab sei» Feuerauge, Daß es minder Wärme schenket, Und der kalte Winbcshauch Jäh' entkleidet Baum und Strauch, Die zur Mutter zitternd strecken Ihre nackte» dürren Arme Bittend, daß ße stch erbarme: Dann gerührt von ihren! Harme Sorgt sic schnell sie zuzudecken. Freudig merken diesen Willen Ihre Sterne — ihn erfüllen Wollte schon das eig'ue Mitleid - Blanke Blüthcnstocken lasten Sie freigebig nun in Masten Aus die Erde niederwehen — Zum Ersatz wohl weil sie sahen, Daß ihr keine Blume blüht. — Auch ins schmachtende Gemüth Schleichen Jenem aus den Hohen Labethau und Blüth en schnee Sänftigend den wilden Schmerz, Wenn er blicket himmelwärts. — Und sein Geist im süßen Spiel Träumt des Wahns und Wahren viel: All sein Träumen, all sein Wähnen, Sei es noch so wirr und leer, Kann's ihm doch den Gram versöhnen, Daß er drückend minder schwer! — Also weiß gar zart zu pflegen Und aufmerksam stets zu hegen