Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 365 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Ad. de Castro und Amaoor de los Rio«. 365 konnten sich davon nicht trennen, nahmen die als Bedingung gebotene Taufe und blieben, für immer ein Gegenstand des Mißtrauens und der Verachtung, und so lange das Blutgericht der Inquisition dauerte, lieferten sie seinen Scheiterhaufen den Unterhalt. Die Anderen, ihrer Güter beraubt, meist erkrankt, zogen weg, um auf frcmder Erde ein Asyl zu suchen. Vom Fieber verzehrt, von Hunger und Blöße erschöpft, fielen sie haufenweis; andere gingen auf dem Meere zu Gründe; die wenigen Geretteten mußten eine unzuverlässige und mit Mühe erlangte Gastlichkeit theuer bezahlen und wurde eine Beute der Habgier und Unredlichkeit." ״Wer mag dieses Bild mit trockenen Augen anschauen? Man muß es lesen, dieses herzzerreißende Blatt in dem Buche des Herrn de los Rios; es ist empörend und entsetzlich; und dennoch bleibt der Verfasser ungerührt; er erzählt kalt, macht seine Betrachtungen mit Ruhe, wägt gelassen das Für und Dawider und zuletzt bedünkt ihn, daß diese Austreibung nothwendtg, daß sie dringend war. Bekanntlich hatten die Juden zu den Kosten des letzten Krieges gegen die Mauren Geld vorgeschossen. Als diese aus Spanien verdrängt waren, blieben nur noch jene, trotz der geleisteten Dienste so tief verabscheuten beschnittenen Unglücklichen. Der ganze Handel, die Industrie des Landes war in ihren Händen; sie pfiegten die Wissenschaften mit Auszeichnung, die Literatur mit einigem Erfolg; sie waren die vorzüglichsten Hülfsquellen und zum Theil die Ehre des Staates, und dennoch wurden sie verjagt. Warum? Weil der König Ferdinand, die Königin Jsabella, der Großinquisitor, und der aus Prälaten und fanatischen Mönchen bestehende Rath nicht der Meinung waren, ״daß es der Ruhm eines guten Fürsten sei, daß jede Gesellschaft die Rechte genieße, die sie erworben hatte, und daß er selbst der Religion, die er nicht gut heißt, ihre Freiheiten bestätige." Das war die Meinung des Kaisers Honorius, und danach gab er das Gesetz zu Gunsten der Juden. De los Rios theilt sie nicht. Gegen Honorius für Ferdinand, lobt er die Austreibung als schickliche und sehr weise Maß« regel. ״Einer seiner Gründe, ״״die Vorsehung habe diese neue Zerstreunng der Juden zugelassen, damit die Kenntntß der spanischen Sprache in die Ferne getragen und verbreitet werde,"" ist zu kin-