Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Brünn [Nachricht]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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173 seines Reiches, persönlich leite. Dies; zeigen auch die häufigen Cabinctsberathungen denen der Kaiser präsidirt. Demnächst dürfte ein neues Jndengesetz erscheinen. Hoffen wir, daß es auch den Juden in Galizien sich als human und liberal erweisen werde. Man hält sie freilich, ihren deutschen Brüdern zur Seite gestellt, für unreif, ungebildet, der Emaucipation unwürdig. Wir geben es zu; aber man verfahre der Gleichheit wegen auch mit Allem, was galizisch ist, ebenso. Mau stelle den rutheuischen Bauer dem Deutschen gegenüber, man vergleiche ihre Aecker, ihre Wohnstätten, ihr selbstgezüchtetes Vieh, ihre Ackerbauwerkzeuge; man stelle einem polnischen Landwirts) einen deutschen Oekonomcn, einen polnischen einem deutschen Arbeiter entgegen, man sehe ein Dorf in Galizien und eins irr Niederösterreich an, man blicke in eine hierländige Wirthschast und schaue sich eine deutsche au, und man wird einen grellen Unterschied finden. Es ist unbestreitbar, daß der polnische Jude mit denen in Deutschland gar keinen Vergleich aushält; aber ebenso weit zurück steht der Edelmann (allerdings gibt cs Ansnahmen, und der Kaiser konnte sogar als einen seiner Minister und zwar für den im jetzigen Augenblick schwierigsten Posten einen galizischcn Edelmann berufen), der Beamte, der Bauer, ebenso weit sieht das ganze Land zurück und doch ist der Edelmann, der Beamte, der Bauer, das ganze Land jeder andern Provinz gleichgestellt, und doch genießt der ruthenische Bauer, der nie eine Schule besucht, dieselben Rechte, wie seine Standesgenosseu in den übrigen Kronländern. Wir haben keine Rückschritte gemacht, man ließ uns nur dort, wo wir von Alters her waren. Wir konnten nicht wciter aus Mangel an Schulen und Schulzwang auf dem flachen Lande. Will die Negierung Galizien wirklich heben und dieser Provinz die Möglichkeit geben, ihren Schwestern nachzneifern, so führe sie eine genügende Anzahl guter Volksschulen und Schulzwang ein und gebe dem Lande (bis jetzt sind hier noch keine Vertranenscom- Missionen zur Berathung der Gemeindeinteressen eingesetzt und werden keine Anstalten gemacht, es zu Lhnn) eine freisinnige Commnnalverfassung, man spreche sie von der drückenden Vormundschaft los, und auch für Galizien werden die guten Früchte einer solchen Politik nicht ansbleiben« (Nat.-Z.) Wien, 6. Nvv. Vorigen Sommer kam eine jüdische Frau mit zwei Knaben durch Raab und reiste unter Zurücklassung der Kinder wieder ab. Ein ziemlich mittelloser israelitischer Handelsmann nahm die Verlassenen zu sich und hielt sie in seinem Hanse, so gut es seine Verhältnisse eben erlaubten. Seine Umstände gestatteten ihm leider nicht, die Kinder lange Zeit zu unterstützen und er gedachte, sich mit der israelitischen Gemeinde in das Amt zu theilen. Er wurde mit seinem Gesuche zurückgewiesen» Eines Tages wurde der Wohl-