Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Prag [Nachricht]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 170 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932881--05210-2944290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Prag, im Och In weiten Kreisen gilt der ehemalige P:ac!a° Theater-Intendant Gras A l h ert Nostiz als der Mann der Zukunft in Oesterreich. Mit großer Anstelligkeit begabt, hat er im Laufe der letzten zehn Jahre die mannigfachsten RegierungSaufträge vollzogen und allmälig feinen politischen Einfluß wesentlich erweitert. Cr ist der Hauptsprechcr des Adels und genießt unter allen »ach Wien berufenen Vertrauensmännern unbedingt das größte Ansehen. Daß er nur Vertrauensmann der Regierung nnd nicht des Volkes ist, thcilt er mit manchen seiner Genossen; ein Vorfall der jüngsten Tage jedoch hat ein allgemeines Mißtrauen gegen ihn wach gerufen. Graf A. Nostiz ist Gntsnachbar einer Judcngcmeinde, welche bis jetzt gezwungen war, ihre Tvdtcn nach einem 3 deutsche Meile» entfernten Friedhöfe zu führen. Die Gemeinde mehrte sich, Sauitälsrücksichtcn machten cS nicht räthlich, im hohen Sommer die Leichen so weit zu trausportircn, nnd cs erbot sich ein frommes Gemeindcglied, ein Grundstück zur Errichtung eines näher gelegenen Friedhofes der Gemeinde zu schenken. Die bürgerlichen Behörden fanden nichts dagegen cinzuwcnden, aber der Statthalter von Böhmen nnd die adeligen Statthaltcrci-Näthc schlossen sich dem Proteste dcS Grafen A. Nostiz an, welcher erklärte: es könnte einem Juden das Gelüste konnncn, eine Familiengruft für sich zu errichten, nnd das sei in der Nähe cincS gräflichen BesitzthumS durchaus nnfchicklich. Zn die Hände eines solchen Mannes ist die Verwirklichung des kaiscrl. Manifestes mit gelegt. (K. Z ) Wien, im Octbr. Das seit mehreren Jahren erscheinende ״Jahrbuch der Israeliten" ist dieses Mal vor der Ausgabe von Seite der Preßdehördc beanstandet worden. Freiherr von Hübner hat nun die Freigcbung desselben angcordnct nnd cs ist auch bereits ansgegeben worden. Eine Deputation der israelitischen Cultus- Gemeinde hatte in diesen Tagen auch bei dem Freiherrn von Hübner Audienz, nnd man glaubt in jüdischen Kreisen, auS den Ant- Worte», welche der Deputation von den verschiedenen Ministern zu Theil wurden, die Hoffnung schöpfen zu dürfen, daß die Angelegenheit der Inden in befriedigender Weise gelöst werde. (Z. f. N.) ” Der ״Wiener Morgenpost" wird zur Erörterung der Frage, ob cS den Juden in Galizien noch immer nicht gestattet sei, ohne behördliche Bewilligung christliche Dienstboten bei 'sich aufznnehmen, und ob die darauf bezügliche Verordnung noch immer in Kraft bestehe, ans Saybnsch im Krakauer Verwaltnngsgebiet eine Bittschrifc sammt darauf erfolgter behördlicher Entscheidung mitgethcilt. Der Bittsteller hatte gebeten, in Berücksichtigung seines hohen 01jährigen Alters, nnd da er nicht im Stande sei, seine Wirthschuft ohne Hülfe zu versorgen, zwei christliche Dienstboten im Dienste