Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 166 (sequence 12)
- Language
- German
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Jüdische Belletristik. 165 f ru»g des großen erhabene» Gottes, sondern als kamen sic zum Scherz und Spiel; Andere eilten mit gleicher Leichtigkeit hinaus, »achdem sic im Fluge Gcbctinantcl und Stcrbcgcwand abgcworfcn, sich leicht aller Heiligkeit enthüllend. Dort war eine Gruppe im cifrigen Gespräch begriffen, hier schienen sich zwei sogar zu streiten und zu zanke» .... Ich saß (am zweiten Festagsmorgcn) bckninmerk und andachtSlos neben dem Herrli, daS Zeremoniell des gesteigen Tages ging wiederum an mir vorüber und hatte nun heute allen ticfcrn Eindruck für mich verloren. Draußen athmctc ich auf, hier war das Judenthum des langen Ncbi! Ich entfernte mich aus dem Eichcnkamp und ging — — — in eine Kirche. ״ Alö ich diesen Abschnitt ״Tempel und Kirche" zu Ende gelesen hatte, mußte ich unwillkürlich innc halten und mich fragen, ob cö denn der unbekannte Nabbi sei, den ich vor mir habe oder ob nicht eine Missionsschrift oder ein Tractätchcn irgend einer Gesellschaft mir in die Hände gcrathen sei. Ist cö ein jüdischer Schriftsteller, der in solch roher ungebührlicher Weise von einem Gottesdienste am Ncujahrsmorgcn zu schreiben wagt, der sich nicht scheut, selbst die Züge seiner Brüder, ihre ״verschmitzten" Gesichter, ihre ״blitzenden" Augen zur Zielscheibe seines Witzes zu machen? Ging denn diese Tcmpclfcicr ohne Orgel, Chor und Gesang so cindruckölos vorüber, daß nur die Einzelnen, die ihr Leid und ihren Kummer, die ihr Herz erfüllt, mit in den Tempel genommen hatten, erregt und bewegt wurden? Wer cö behauptet, hat nie de» ganzen Ernst und die ganze Bedeutung dieses Tages, die auch den Rohesten erfasst, empfunden. Dem rathcn wir hinauszugchcn auf ein cirtlcgencs Dorf, in das Orgel und Chor noch keine» Eingang gefnndc», und einen Nosch Haschono dort zu verleben, und wir sind fest überzeugt, er wird eingcstchcn müsse», daß er geirrt. — Oder sollte das Alles nur des Contrastcs wegen sein? Wie wird plötzlich die Scene verändert! Wie der Ton die Darstellung gehobener, bcgeistcrtcr! Es ist eine Verherrlichung des christlichen Kirchcndicnstcs, die sich nach der Schmähung rrnd Herabwürdigung der jüdische» Tempelfeicr hoch erhebt. Mir ist cö zuwider diese Stelle ganz mitzuthcilen. Einzelnes nur zur Vergleichung: ״Da erschallten die Glocken und ruhigen, gemessenen Schrittes wandelten Alle und Jede nach der Kirche". ״Vom Schlosse kam ein langgewachscner,