Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 11 (August 1859)
- Article
- Villafranca und Kremsier
- Date
- 1859-08-01
- Page
- 621 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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621 »<m Dr. M. Hirsch. hat das Rechtsgefühl der Zeit diesen Sprung auf einmal gemacht. Man spreche uns auch nicht von Gefahren, die uns selber drohen I Nur in der Halbheit wohnt Gefahr, denn sie birgt das Todesgeschoß selber im Busen. An den freien, gleichberechtigten Juden wird keiner sich wagen; nur den unberechtigten, geknechteten Juden glaubt jeder Bube ungestraft höhnen und zerren zu dürfen. Und wenn auch, drohten selbst Gefahren, wir haben die Vertretet sämmtlicher Gemeinden über diesen Punkt vernommen; ״lieber materiell erschlagen, als noch länger geistig tobt!" war ihre einstimmige, einmüthige Antwort. Und diese Sätze sind eine solche Wahrheit, daß in dem neuen Völkerfrühling kein Land zur eigenen Wiedergeburt bis jetzt erstanden, das nicht sofort auch die Gleichberechtigung der Inden ausgesprochen. Oesterreich, das biedere Oesterreich, das so viele Intelligenzen in sich birgt, wird nicht allein sich den Stempel der Barbarei auf die zur Freiheit erhobene Stirne aufdrücken wollen, wird nicht von Deutschland, wird von Europa sich nicht sagen lassen wollen: es habe allein den Ruf der Zeit nicht verstanden, habe allein für die Freiheit noch die rechte Reife nicht. Zu unseres jugendlichen Monarchen kaiserlichem Worte, zu den feierlichen Verheißungen unseres hohen Ministeriums, zu den erleuchteten Gliedern der hohen Reichsversammlung hegen wir vielmehr das Vertrauen, sie werden den Grundstein zur neuen Staatszukunft nicht mit Unrecht legen, werden nicht in den Schooß der kommenden Zeit Rechtsversagungen und Gewalt säen wollen, aus denen nur Unheil und Unsegen aufkeimen kann, werden nicht so viele Hunderttausende in die traurige Alternative versetzen wollen sich selbst verachten, sich selbst verdammen zu müsien, oder fort und fort in ihrem Innern über die Ungerechtigkeit des Staates empört zu sein, der sie von sich stößt, und als ebenbürtige Söhne nicht anerkennen will. Vielmehr, das hoffen wir, wird das Eine gleiche Recht, die Eine gleiche Freiheit für Alle, Alle, als der Bau n des Lebens aufgerichtet werden, unter dessen Schutz und Schirm Alle,