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Jeschurun · 1859-08-01 · Heft 11 (August 1859) · p. 602

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 11 (August 1859)
Article
Villafranca und Kremsier
Date
1859-08-01
Page
602 (sequence 10)
Language
German
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602 Billafranca und Kremsler, stcirung der Forderungen der Macht begreifen. Dann hat freilich der Bauer ein ״Recht" auf Grundentlastung, aber auch der Edelmann ein ״Recht" auf Robot; — hat freilich der Bürger ein ״Recht" auf Gleichstellung mit dem Adel, aber auch der Adel ein ״Recht" -auf Beibehaltung seiner Privilegien; — hat freilich die Nation ein ״Recht" auf eine Verfassung, aber auch der Kaiser ein ״Recht" auf absolute Herrschaft; — hat freilich die Gemeinde ein ״Recht" auf Gewissensfreiheit, aber auch der Klerus ein ״Recht" auf ein Concordat — — da entscheidet überhaupt nicht das Recht sondern nur die Macht und da hat sich dann auch Niemand zu beklagen. Alles Anrufen des einzig wahrhaften, für Alle und gegen Alle ewig gültigen Rechtes ist nichts als eitel Heuchelei, jedem geschieht nur, was er, Sieger, andern gethan hätte; — dann herrscht allgewaltig der einzig dann zum ״Recht" gewordene Rechtsgrundsaß des alten Galliers und des neuen — den freilich weder die von dem alten noch die von dem neuen Besiegten erst von dem Sieger zu lernen brauchten — das Länder verheerende, Völker zermalmende: vae vietis! Und es galt, unerbittlich — Vae vietis! Während die Juden mit schwerem Herzen in den Synagogen jene alte Geschichte entrollten, wie hoch über Tyrannengrimm und Ministerränkcn und Volkeshaß der ewige Lenker der Zeiten throne und ihm eine Nacht genüge den Mächtigsten zu stürzen und den Verachtetsten zu erheben: beantragte im Reichstage 9Vz Uhr Abends ״unter lebhaftem Beifall des Hauses" am Schlüsse der Sitzung der Präsident, ״die feierliche Sitzung am 15. durch einen Gottesdienst einzuleiten." Also Oesterreich's Völker wollten in ihren Vertretern am Jahrestage der österreichischen Freiheit hiny treten vor den Allmächtigen, der die Menschen zur Gerechtigkeit und nicht zur Unterdrückung geschaffen, ihm danken, daß er ihre Fesseln gesprengt und sie aus der Knechtschaft in die Freiheit geführt — in demselben Augenblicke, in welchem sie sich anschickten, die Fesseln ihrer jüdischen Brüder zu verewigen und ihnen die Erlösung aus der Jahrhunderte langen drückenden Knechtschaft schnöde verweigerten. Wie einst Belsatzar forderte der Reichstag Gott in die Schranken — wie einst Belsatzar ereilte ihn noch in derselben Nacht sein Geschick. Auch er war gewogen und auf der

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