Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1859)
- Article
- Rußland : Odessa [Nachricht]
- Date
- 1859-06-01
- Page
- 505 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932873--04753-2943700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SOS | ein und schlug sie. Der Adjutant des Gouverneurs konnte mit feiner | Aufforderung zur Ruhe ebenfalls nichts ausrichten und wurde auch an- | gegriffen. Endlich rückte reguläres Militär, Kosacken und Uhlanen, vor! welche, nachdem ihr Versuch, die Masten durch den Andrang der Pferde E auseinanderzustäuben, fruchtlos war, von ihrer Waffe Gebrauch machten- E so daß viele verwundet und einige getödtet, und endlich die Ruhe, je- | doch nur auf kurze Dauer, hergestellt wurde. Die Exceffe dauerten den | zweiten und dritten Feiertag, indeß in geringerem Maße, fort. Die Zahl ן der Verwundeten und Todten sowohl unter den Israeliten als den An- | greifern ist noch nicht bekannt, dürfte jedoch eine namhafte sein. Die E Wuth des Pöbels, desten größter Theil durch den Genuß geistiger Ge-;ן tränke exaltirt war, soll eine unbeschreibliche gewesen fehl." j Po len. Die politische Stellung der Juden. Ueber diel sen Gegenstand (eine der merkwürdigsten Erscheinungen des neunzehnten | Jahrhunderts, indem die Lage der Juden in Polen einen fast noch schreienj dern Contrast zu bem, Humanismus unserer Zeit bildet, als die Lage :׳j der Neger in Nordamerika) ist soeben eine kleine Schrift in deutscher j Sprache erschienen *). Dieselbe bildet tut Wesentlichen eine Beleuchtung; des von der königlich polnischen Ministerialcommission des Innern an ׳. den Administrationsrath des Königreichs abgestatteten Gutachtens über die j gesetzliche Stellung der Juden in Polen, im Vergleiche mit der ihrer Z Glaubensgenoffen in Rußland. Es sollte durch dieses Gutachten darge- | than werden, daß die Juden in Polen noch nicht in der allerschlimm- ■ j sten Lage sich befänden und also auch die Abhülfe nicht so dringend I noththue, als es die Stimme Europas nach der Thronbesteigung Alexan- | ders II. durch die geachtetsten öffentlichen Organe (״Journal des Debats", Berliner Zeitungen u> a.) als wünschenswerth bezeichnete. In der vorliegenden ״Beleuchtung" wird jedoch nachgewiesen, daß, selbst jenem Gutachten zufolge, die jetzige politische Stellung der Juden in Polen unverträglich mit jeder humanen Gesetzgebung, mit jeder gesunden und vernunftgemäßen Staatsökonomie und mit jeder sittlichen Volkser- . Ziehung sei. Die Beleuchtung schließt mit folgender Appellation an den Kaiser: ״Im Ganzen und Großen ist die jüdische Frage in Polen ein gordischer Knoten, den nur ein zweiter Alexander lösen kann." Es wird dabei namentlich auf die Corruption eines großen Theils der j polnisch-russischen Beamten hingewiesen, die die Lage der Juden als eine Goldgrube für sich ausbeuten, indem sie sich jede noch so billige Ge- | Währung — z. B. die Erlaubniß, daß ein Judenknabe eine Unterrichts- Anstalt des Staates besuche — mit schwerem Gelde bezahlen lassen. Zu E den exceptionellen Abgaben der Juden gehört auch eine ״Luststeuer", d. h. jeder Jude, der nicht in Warschau geboren, zahlt für den Genuß der *) Beleuchtung eines ministeriellen Gutachtens über die Lage der Juden im Königreich Polen. Hamburg, Hoffmann und Campe, 1659.