Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Jüdische Polemik in Rußland
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 374 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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874 Jüdische Polemik in Rußland. Israels aussprach. Hierauf erfolgte in demselben Blatte eine Replik, als deren Verfasser sich ein Jude, Herr Manbelstamm, unterzeichnete, der sich seiner Glaubensgenossen mit glühendem Eifer annahm, aus das Alter und den Glanz ihres Ursprunges hinwies, ״in dem sie alle anderen Völker Europa's und Asiens, vielleicht mit alleiniger Ausnahme der Chinesen und Inder, übertreffcn", an ihre Leistungen in jedem Fache des menschlichen Wissens erinnerte und sich sogar bis zu der Behauptung verflieg, daß alle Fragen, die heute das civilisirte Europa in Bewegung setzen, darunter auch das Recht auf Arbeit u. s. w. in den Schriften des Maimonides seine Lösung gefunden hätten. Dieser PanegyrtkuS gab wieder zu einigen kritischen Ausstellungen im Sowremennik Anlaß, die jedoch mit dem Geständniß schloffen, daß es Zeit sei, verjährte Vorurtheile abzulegen und sich den humanen Ideen zu nähern, durch die sich die gebildeten Nationen des Westens auch den Juden gegenüber auszeichncn. Nach und nach mischten sich auch der Russkji Wjestnik, der ״Invalide", die ״Nordische Biene", re. in den Streit, und es fand sich bei dieser Gelegenheit, daß Rußland bereits ein ganz ansehnliches Häuflein tsraeliter Literaten zählt, wie z. B. den durch seine Beiträge zum Russkji Wjestnik bekannten Herr Tschazkin, die Herren Horwitz Ftrkowitsch, Rabtnowitsch u. A. m.*) Aber auch abgesehen von solchen pro domo kämpfenden Schriftstellern, scheinen die Judäophilen in der russischen Presse entschieden die Oberhand zu behaupten, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so werden sie ihre Gegner bald vollständig aus dem Felde schlagen. Es ist nur zu wünschen, daß diese Polemik nicht ohne praktische Folgen bleiben, und daß sie dazu beitragen möge, den politischen und socialen Bann zu heben, den die Intoleranz des Volkes, wie der Regierung, über die jüdische Bevölkerung Rußlands verhängt hat. M.f. d. L. d.A. *) An der Universität Kiew allein sollen jetzt nicht weniger als fünfzig jüdische Studtrende sich befinden-