Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Nissan
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 334 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Nissan. von dem nimmer wiederkehrenden Frühltnge zu klagen wüßten, und die Blüthen der Natur nur suchten um — sie auf das Grab der Menschheit und des Menschen wehmuthlächelnd zu streuen! Wie arm wären wir, wenn nur der nicht denkenden und nicht fühlenden Natur, wenn nur den für Anderer Bewußtsein blühenden und duftenden Geschöpfen alljährlich der Frühling käme und mit immer frischer Wundermacht die Verjüngung zu Licht und Leben bcwirkte; dem Menschen aber, mit seinem nach Licht dürstenden Geiste, mit seinem nach Leben schmachtenden Herzen, mit seiner Liebe und Leben, Friede und Freude suchenden Seele, der Frühling nur als eine bereits in der Kindheit verträumte und verlorene sonnige Welt im Gemüthe dämmerte, nur als eine erst jenseits des Grabes wieder zu findende lichtige Welt im Glauben winkte, aber für diesen ganzen hiniedtgen Weg von der Wiege bis zum Grabe ibm nur verlorene Liebe und begrabenes Leben und geflohener Friede und verwelkte Freuden beschieden wären, was verloren und begraben, was geflohen und gewelkt ihm hinteden keine Wiederkehr und Auferstchunz fände, — er nur den Frühling der Natur, aber nicht den Frühling des eigenen Lebens zu feiern wüßte! Wie arm wäre die Menschheit, wenn nur ihre Dichter ihr von dem ״verlorenen Paradiese" einer untergegangenen ״goldenen Zeit" zu erzählen wüßten, und das. ihr bereits ״wiedergewonnenes" sein sollte, das mit all seinem wirklichen Jammer und Elend, seinem srtedarmen Herzen, seinen sreudearmen Hütten, seinen geknechteten Menschen, seinen in Noth und Elend, Verkommenheit und Verbrechen dahinsterbenden.Millionen so sehr als ein Spott auf die nach Frieden und Erlösung dürstende Menschheit aussieht, daß man blind wie der Dichter, der das ״verlorene" und das ״wiedergewonnene" besungen, sein müßte, um in dem Wtedergewonneneu — das Verloveue zu erkennen, um in der Welt, wie sie ist, das Reich des Lichts und der Wahrheit zu begrüßen! Wie arm wäre der Mensch und die Menschheit, wenn Gott Israel nicht geweckt und ihm den Frühlingsstab in die Hand nicht gegeben und es nicht ausgesendet hätte als Boten des Frühlings, des von Jedem und immer, und überall und hinieden stets neu zu sindeuden Frühlings, an den Menschen und die Menschheit! Wenn der Frühling kommt, wenn er draußen wach wird, dann