Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Deutschland : aus Bayern [Nachricht]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 227 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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227 aller Confessionen und 10 pCt. des israelitischen Glaubens dabei bethei- Ligt sein werden. -- 8 Aus Bayern, im Dezember. Die Neuwahl der Landtags-Abgeordneten berührt jeden Bürger des Staats; mit größerer Spannung und ängstlicherer Aufmerksamkeit verfolgt der Jude den Verlauf, der Jude, der neben allgemeinen Erwartungen noch immer besondere Hoffnungen leider! zu hegen hat. Insofern gehörte eine Betrachtung über den Ausfäll der Wahlen wohl in ein jüdisches Blatt, wir unterlassen es jedoch um nicht in Politik zu verfallen; und wollen wir nur die immerhin erfreuliche Mittheilung machen, daß Herr Arnheim wiederum in Haf, wo kein Jude wohnt, zum Abgeordneten gewählt ist. Hoffen wir, daß Herr Arnheim neben den Interessen seiner Wähler, auch die seiner Glaubensgenossen zu wahren wissen und, sollten es die Umstände erheischen, ein kräftiges Wort für sie reden wird. Die ״Augsb. Allgem. Ztg." betont bei Erwähnung der. Adresse, die an die preußische Negierung in Betreff der Mortara-Angelegenheit gegangen, daß man das den Juden lassen müsse, Einigkeit herrsche unter ihnen. Zu ihrer Freude wird sie hier zu Lande wenig davon bemerken, denn selbst in größern Städten ist kein Jude in den Urwahlen gewählt, was leicht möglich gewesen, wenn die Einigkeit so stark wäre. Ebensowenig hört man hier von einer allgemeinen öffentlichen Kundgebung des Unwillens und der Entrüstung über den Kinderraüb, wie es in den meisten Staaten geschehen. Und als ein besonderes Zeichen der Einigkeit kann es eben auch nicht gelten, daß die Gelder, die zur Errichtung eines Spitals in Würzburg eingezahlt waren, jetzt wieder zurückgegeben sind und sich diese Angelegenheit in Dunst und Nebel auslöste. — Berlin, 27. Dez. Der Bescheid, welcher den israelitischen Gemeinden Preußens ans ihr in der Mortara-Angelenheit an den Prinz- Regenten gerichtetes Immediatgesuch geworden ist, lautet nach der ״Bk.- u. H.-Z." wörtlich: ״Se. k> Hoheit der Prinz-Regent haben mir die Jmmediat-Vorstellung, welche der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin im Namen und Aufträge der übrigen Shnagogengemeinden des preußischen Staates im Interesse der Familie Mortara unter dem 26. v. M. an Allerhöchstdenselben gerichtet hat, zu übergeben und mir zu befehlen geruht, die Unterzeichner derselben von den Motiven in Kenntniß zu setzen, welche Allerhöchstsein Verfahren in dieser Sache bestimmen müssen. Es bedarf zunächst nicht der Versicherung, welche lebhafte und innige Theilnähme Se. königliche Hoheit persönlich an dem Schmerze der Eltern des Knaben empfinden und wie sehr es ihrem Herzen wohlthun würde, zu der Wiederherstellung des Friedens und Glückes einer Familiie beitragen zu können. Was ferner die allgemeine Seite der Frage und das dabei in Betracht kommende Princip betrifft, so hat der Gemeindevorstand selbst in seiner Eingabe die in Preußen gesetzlich darüber bestehenden Grunde