Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- [Rezension] / H.
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Scpharbint 1c. von Dr. M. Kayserling. 121 in den dunkeln Kerkern der Inquisition, auf gefahrvoller, von Jammer und Elend begleiteten Flucht, in neugewonnenen Asylen nnd — in der zur geistigen Fremde gewordenen und um Verlengnung des bessern Selbst gefristeten Heimath, stets geisteswach geblieben und selbst über den Kreis seiner etgenthümlichen Gebiete hinaus nnd in der Volkssprache seines Adopttv-Vaterlandes Blüthen der Literatur und insbesondere der Dichtkunst erzeugt, die sich den gefeiertesten Schöpfungen in diesem Gebiete ebenbürtig zur Seite stellen konnten und sich die gebührende Ancrkeunnng zn erringen wußten. Bewunderungswürdig erscheint insbesondere, mit welcher tiefen Innigkeit die aus Spanien und Portugal flüchtigen Juden überall hin den Geist nnd die Sprache ihrer frühern Heimath, wir möchten sagen, wie ein Heiligthum mit hinaus gerettet, von Geschlecht zn Geschlecht in der Ferne vererbt und in Holland und Amerika die spanische Literatur und Dichtkunst bereichert. Von höchstem Interesse sind die Schilderungen der Schicksale, die die zurückgebliebenen Neu-Christen Gewordenen in Spanien nnd Portugal getroffen. Wir erfahren wie die Verfolgungen, Marterund Scheiterbaufen, mit denen die Inquisition diesen unglücklichen Schein- Christen nachstellte, ununterbrochen fvrtdauerten. Wir bewundern die Seeleugröße, mit welcher oft das Bekenutniß der Wahrheit nach jahrelangem inner» Kampfe und im Anblick des sichern Feuertodes sich Bahn brach, nnd hören schaudernd, daß selbst noch bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts Inden in Spanten nnd Port»- gal verbrannt wurden und noch 1745 der größte portugiesische Dramatiker, der gefeierte Dichter Antonio Joseph dem qualvollsten Flammentode überliefert wurde, weil er, der, wie Keiner in größerem Maße zn dem reichen, mannigfaltigen Schatze der portugiesischen Literatur beigetragcn und insbesondere dramatische Dichtungen geliefert, die zu den gefeiertesten Bühnenstücken gezählt werden und noch heute so manches Auge mtt Thränen füllen, — weil dieser Mann, dem die portugiesische Nationallitcratur so viel verdankt, in Wahrheit ein Jude war, noch in seinem 37. Jahre die Beschnetdung an sich vollzog nnd dies vor dem Tribunal der Inquisttion furchtlos und offen bekannte. So ist diese Schrift ein schähenöwerther Beitrag zur Geschichte unseres Volkes, dem die Vorsehung die härtesten, mannigfaltigsten