Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Die sog. jüdische Orthodoxie und die Rückwärtsbestrebungen der Jetztzeit
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 210 (sequence 3)
- Language
- German
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210 Die sog. jüdische Orthodorie keitsstnn einer löblichen Redaktion nm Aufnahme dieser Zeilen anzugehen. Wir kennen nun weder Herrn Tiktin, das ״Haupt der orthodoxkonservativen Jndenschast", noch wissen wir, welche zn ehrende Privatüberzcugungen in Sachen der Politik ihn bewogen, auf nichtliberale Seite zu treten. Aber das Eine wissen wir und halten es für eine hohe Gewisscnspfltcht, zur Reinhaltung des uns Heiligen und Theuren offen darzuthun, daß Herr Tiktin, weit entfernt deßhalb weil, sondern vielmehr obgleich er hier als Anhängerder als die ״orthodox-konservative Partei" stigmatisrrten Richtung im Judenthum bezeichnet wird, nicht auf liberaler Seite stehe; daß der Geist der jüdischen sog. Orthodoxie nun einmal nichts gemein hat und gemein haben will, ja vielmehr im diametralsten Gegensätze steht, zu all' jenen retrograden Bestrebungen, die stch in den letzten Jahren wieder unheilvoll an das Tageslicht gewagt und wieder das alte Dunkel und die alten düstern Zeiten an den schon tagenden Weltenhimmel heraufbeschwören wollen. Es ist dies leider ja ein Fluch, von dem selbst die edelsten Bestrebungen mit betroffen werden, daß es vor Allem in den Parteikämpfen unserer Zeit für ein nicht zu scheuendes Manöver gilt, selbst die edelsten Bestrebungen unter eine Decke mit solchen zu bringen, denen sie ihrem wahrem innersten Wesen nach fremd und abhold sind, ja die sie vielleicht noch mehr verabscheuen als die höhnende Partei der Gegner. Wie sehr hat man sich nicht bemüht und bemüht man sich noch jetzt unablässig, der unwissenden Menge die Bestrebungen der heutigen Demokratie unter dem Zerrbtlde eines Robespierre und Marat furchtbar zu machen! ״Sie wollen die Herrschaft des Terrorismus einführen, wollen mit der Guillotine das Land durchziehen", — und furchtsam ducken sich die Küchlein unter die Fittige der Mutter. Einer ähnlichen Taktik hat man sich auch gegen das alte Judenthum und die es vertretende sog. Partei der Orthodoxie bedient. Um sie lächerlich zu machen warf man sie und ihre nach Jahrtausende» zählende Lehre in einen Topf mit den Dunkelbestrebungen und ptettsttschcn Ausgeburten der Neuzeit, suchte man in den Augen der Welt den orthodoxen Juden als selbstverständlich in den Reihen der Partei kämpfend hinzustellen, die im staatlichen Leben bcn Ptetismus und die servile Kriecherei zu ihrer Devise gewählt.