Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1858)
- Article
- Belgien : Brüssel [Nachricht]
- Date
- 1858-12-01
- Page
- 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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170 eine günstige Lösung dieser Angelegenheit anzeigte, waren wirklich alle Zeichen vorhanden, welche zu einer derartigen Voraussetzung berechtigten. Der Minister des Auswärtigen, Herr Walewskh, hatte dem Kaiser persönlich eine Eingabe des Vaters Morlara übergeben, und denselben zu einer energischen Intervention beim pästlichen Stuhl bestimmt, welche der Papst wohl schwerlich mit den Worten ״non possumus^ zurückgewiesen haben würde. Der Kaiser steckte die Bittschrift zu sich und Herr Walewsky glaubte seine Sache schon gewonnen, als er andern Tags die Mortara'sche Eingabe vom Kaiser mit dem Bemerken wieder zurückerhielt, ״die Regierung könne hier nicht einschreiten, ohne das Autoritätsprincip des Katholicismus zu verletzen." (!!) Italien. Turin, 3. Nov. Bon hier aus wird dem ״Schw. Merk." folgendes Weitere über das Schicksal des Knaben Mortara mitgetheilt: Nach vergeblichen Versuchen der Eltern, ihr Kind zu sehen, erbaten sie sich Gehör beim Cardinal Antonelli; auf ihr Flehen wurde ihnen endlich die Erlaubniß ertheilt, ihr Kind zu sehen und zwar in Rom selbst. Die Mutter beschreibt das Wiedersehen iu einem Briefe folgendermaßen: ״Am 22. Oktober war unser liebes Kind in dem Palast der Katechumenen angekommen; wir gingen dahin, und bald lag Edgar in unfern Armen. Ich drückte ihn krampfhaft und bedeckte ihn unter Thränen mit Küssen, die er mir weinend erwiderte. Flammenroth, erschrocken und die Augen voll Thränen kämpfte in ihm die Furcht vor den Vorgesetzten und die unvergeßlich gebliebene Kinvesliebe. Die letztere siegte; laut und wiederholt bat er, mit uns zu seinen Brüdern, zu seinen Schwestern zurückkehren zu dürfen. Ich sagte ihm, daß er, wie wir, als Jsraelite geboren sei und daß er dieses bleiben müsse, wie wir auch, worauf er erwiderte, daß er. noch keinen Tag vergessen habe, das Seeman (das Credo-der Israeliten) herzusagen. Wir sagten ihm, daß wir gekommen seien, ihn mitzunehmen, worüber seine Freude keine Gränzen kannte." Zu derselben Zeit, als dieses zu Rom passirte, schrieben die Vertheidiger des Kinderraubs in ihren Blättern, daß der Knabe voll inneren Berufs für die christliche Lehre sei, so daß er sich berufen fühle, an der Bekehrung seiner früheren Glaubensgenossen zu arbeiten. Errgllrnb. London, 12. Nov. Die ״Protestant Association" hat dem Earl of Malmesbury eine Denkschrift betreffs der Mortara-Ängelegen* heit überreicht, die in ihren neun Absätzen folgendes sagt: 1) Der Verein spricht sein Bedauern über die Wegnahme des Knaben aus. 2) Der Verein verdammt den Grundsatz, daß die unwillkürliche Taufe eines Kindes der Kirche das Recht gebe, es den Eltern zu entziehen; es streite dies gegen das Naturrecht nicht minder, wie gegen die Grundsätze bürgerlicher und religiöser Freiheit. 3) Es fehlen im vorliegenden Falle