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Jeschurun · 1858-11-01 · Heft 2 (November 1858) · p. 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 2 (November 1858)
Article
Deutschland : Barmen [Nachricht]
Date
1858-11-01
Page
107 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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107 keine Aussicht und Hoffnung ׳Hai, so hat er sich an einfältige Heiden- Christen gemacht und ihnen vorgehalten, sie müßten dem Volke Gottes, d. h. dem in Zukunft gläubig werdenden Volke Israel, Weg und Stätte bereiten und ans der sie umgebenden hoffnungslos verdorbenen Welt hmausflüchten in das gelobte Land, wo sich das Israel Gottes sammein werde u. s. w. Es bildete sich um den Pick eine neue Secte, welche, weil sie glaubt, alle Weissagungen wären nun Amen, d. h. ihrer Erfüllung nahe, sich die Benennung ״amenische Gemeinde" gibt, und die nichts Geringeres vor hat, als nach Palästina auszuwandern. Italien. * Ueber den Kinderraub, welcher an dem 7jährigen Sohn des Juden Mortara in Bologna verübt worden, sagt das ultramontane ״Journ. de Bruxelles", daß die Mittheilungen über die Thatsache nur Berläumdungen der revolutionären Presse seien. Das Kind sei von einer frommen Magd, als es tödtlich krank darniedergelegen, heimlich getauft worden. Freilich habe die Magd erst zwei Jahre nachher, als sie aus dem Dienst entlassen worden, Anzeige von der Sache gemacht, und diese könne falsch sein; aber das Santo Officio werde die Sache gewiß genau untersucht haben. Zwang sei übrigens nicht angewandt worden, sondern man habe das Kind, da dessen Vater sich zu nichts verstehen wollte, in das Katechnmenat nach Rom gebracht, damit es nach seinem Belisben der Gnadenwahl der Taufe entsprechen könne. Das jetzt 6jährige Kind habe nun einen solchen auf Vernunft gegründeten Beruf (vocation raisoimee) znm Christenthum bewäbrt, wovon Papst Pius IX. sich selbst überzeugt habe, daß es ein ״entsetzlicher Skandal" (un scandale immense) gewesen wäre, wenn die Kirche ihre ״Pflicht" nicht erfüllt und solche ״bewundernswürdige, freiwillige Hinneigung" (admirable spontanste) nicht anerkannt hätte. Daß das Kind, nach der Angäbe seines Vaters in dessen Schrift an den Papst, niemals tödtlich krank, nur als es ein Jahr alt war, ein leichtes Wurmsieber hatte, die Magd es auch nicht vor zwei Jahren, sondern eben damals, also vor 5—6 Jahren, heimlich getauft haben will, verdient, einer solchen Rechtfertigung gegenüber, kaum erwähnt zu werden. Das ״I. des Debats" erwidert auf diese eigentümliche Rechtfertigung: ״Was soll man zu dem Ton und den Ausdrücken dieser abscheulichen Verteidigung sagen? Wen ekelt es nicht an, von der Pflicht sprechen zu hören, welche diese Kmderräuber erfüllt haben wollen? Von der frommen Furcht vor ״Scandal", welche sie dazu getrieben? Von der ״bewunderungswürdigen Frei- Willigkeit", mit welcher der kleine Gefangene auf den Nus der Gnade höre, ja, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, von der ״״ans Vernnnft gegründeten Vocation"" eines achtjährigen Kindes? Glaubt man nicht den Wolf in der Fabel zu hören, der die Schafe nicht umgebracht, ihnen nur ganz sänftiglich fcen Hals ein klein bischen zugedrückt hat? Aber wir wollen auch nicht einen Augenblick über dergleichen scherzen 8»

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