Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1858)
- Article
- Deutschland : aus Böhmen [Nachricht]
- Date
- 1858-10-01
- Page
- 53 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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53; verließ daß Haus, des- Kranken mit: dem, süßen Bewußtseineinem Sterbenden zu seinem jenseitigen Heil und der alleinseligmachenden Kirche zu einer Seele verhelfen zu ll)aben. Äber der Mensch denkt, Gott lenkt! .Am andern Morgen starb der eine der Verunglückten, der andere, der Jude, erholte sich zur Freude des Geistlichen der die Genesung als Wirkung der Sakramente dem gläubigen Landvolk darstellte. Erst nach ,einigen Tagen entdeckte man dem Genesenden die Veränderung, die während seiner Bewußtlosigkeit mit ihm vorgegangen, und um uns kurz zu fassen,, jetzt, wo der Verschüttete wieder völlig hergestellt ist — er. ist verheirathet und Vater mehrerer Kinder — reklamirt dieser seine Seele, welche die Kirche nicht so leichten Kaufes freizugeben gesonnen scheint, denn der im bewußtlosen Zustande Getaufte sah sich genöthigt, einen Proceß gegen den betreffenden Geistlichen einzuleiten, in welchem ihn ein reichenberger Advokat vertritt. Der Ingenieur ist vorläufig von der Eisenbahngesellschaft entlassen worden. .Jedenfalls wird der Proceß ein origineller werden; denn wie wir auch den Gegenstand der Klage betiteln wollen: ״Seelendi.bstahl" oder ״unfreiwillige Beschenkung" — ein Geschenk müssen wir bei der Stellung der Juden die Rechte nenneu, welche diesem Manne mit der Taufe verliehen worden — in keinem Falle ist hierüber in unfern Gesetzen etwas enthalten. (Ostd. P.) Holland. .. . Amsterdam. Wir entnehmen den Berichtendes ״Jewish Chronicle" und der ״Christian Times" die Mittheilung eines beklage nswerthen in Arnsterdam stattgehabten Ereignisses, das, so vereinzelt es gottlob irr den jüdischen Annalen dasteht und so sehr es sicherlich in jüdischen Kreisen die allgemeinste Indignation erregt, doch auch sehr wohl geeignet ist auch nach anderer Seite hin als ernste Warnung zu dienen. Zwei Missionäre Pauli und Schwarz, der erste durch unverantwortliche Bekehrungsversuche während des Sabbathgottesdienstes in der Synagoge, der Letztere durch standalisirende Zeitungsartikel, hatten eine solche Entrüstung unter der jüdischen Bevölkerung hervorgerufeu, daß ein jüdischer Knabe von 15 —16 Jahren in unbesonnener Leidenschaftlichkeit sich hinreißenließ, einen Mordversuch auf den Missionär S chw arz am Sonntag auf der Kanzel zu wagen. Glücklicherweise ist der Stoß nicht tödtlich. Der Thäter ist den Gerichten übergeben und erwartet sein Urtheil. Der christliche Correspondentdes ״Christian Times" knüpft an diesen Vorgang Bemerkungen, die sich wahrlich alle Gesellschaften zur Bekehrung der Juden wohl zur ernsten Beherzigung dienen lassen und künftig ihren Sendboten ein weniger zudringliches und umsichtsvolleres Benehmen gegen diejenigen anempfehlen mögen, zu deren ״Beglückung" sie sie senden. Italien. ** Turin, 1. Sept. Bereits am 15. August theilte ich Ihnen die Schreckenskunde von dem Bologneser Kinderraube mit, der nicht nm unter unseren Brüdern, sondern überall wo nur ein menschliches