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Jeschurun · 1858-10-01 · Heft 1 (Oktober 1858) · p. 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 1 (Oktober 1858)
Article
Deutschland : aus Würtemberg [Nachricht]
Date
1858-10-01
Page
52 (sequence 2)
Language
German
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5Zn vollbrachte Handlung! sei eine nicht '׳mehr aufzuhebende > Thalsache;:, das getaufte: Kind sei unwiderruflich ein Christ geworden. Im Kirchenstaate und in der ganzen Welt vermöge man aus. einem katholisch getauften Kinde, keinen Juden zu machen. Und wenn die ganze Welt, die gesammte Christenheit in Sack und Asche trauere und über die an dem Kinde -verübteGewaltthat schimpfe, so bleibe das Kind durch die empfangene Taufe katholisch. Rom wolle dem Getauften.nur die Wege des Heils offen erhalten, und jedenfalls habe die Gewalt der Eltern über das Kind der kirchlichen Gewalt, der hohen Autorität des Papstes zu׳ weichen. Ueber diese Gräuelthat, die auf des Papstes Geheiß vollzogen wurde, ist nur eine Stimme. -Die Geschichte wird auch diese Barbarei in ihre Blätter aufzeichnen. Das sogenannte. ,/Lolksblatt" schämt sich; freilich nicht, dem gesunden Menschenverstände Hohn .zu sprechen. Es muß einen geringen Bildungsgrad bei seinen Lesern voraussetzen. Nur rüstig so-fortgemacht, es wird sich dann immer beut-, licher zeigen, auf welcher Seite Religion und auf welcher Heuchelei, Sittenverdorbenheit u. s. w. zu finden ist! Die׳ römische Knechtschaft lieben nur Wenige, und wohin die römische Geistesdespotie uns führen will, läßt sich leicht einsehen. Es scheint, daß man aus der Rüstkammer voriger Jahrhunderte wieder-die alten Mittel gegen die Ketzer demnächst hervorsuchen wird. Vortrefflich hat Prediger Albrecht in Ulm die an Mortara-s Kind ausgeführte Tyrannei geschildert. Wir empfehlen , diese Broschüre, allen Coneordats-Gläubigen zum Lesen; sie werden hierin manche Winke und Warnungen finden. (Fr. I.). - . Aus Böhmen, 30. August. Ein höchst -interessanter Vorfallist dieser Tage Gegenstand eines-ebenso interessanten Processes geworden, ein Vorfall, der zugleich deshalb nntgetheilt zu werden verdient, weil er für unsere klerikalen Zustände charakteristisch ist, deren Hesawmtbild am besten durch derlei kleine Züge ergänzt wird. Vor wenigen Tagen er-- eignete sich bei den Tunnelbauten der süd-norddemschen Verbindungsbahnein Uuglücksfall, bei welchem zwei Ingenieure verschüttet wurden. Sofortigen Nachgrabungen gelang es, lxe Verschütteten hervorznziehen, worauf sie in dem kläglichsten Zustande in das benachbarte Dorf gebracht wurden. Da der Arzt die Verunglückten für unrettbar erklärte, so wurde nach dem Geistlichen geschickt, damit er den Sterbenden die Saeramente reiche. Indessen stellte es sich heraus, daß einer der beiden . ein Jude sei. Der Geistliche nahm von dieser Benachrichtigung keim׳ Notiz und that bei beiden, was bei dem einen seines Amts war. Die christliche Umgebung nahm indessen den Vorgang nicht gleichgültig aus. und stellte, den Geistlichen zur Rede, wie er einem Juden die Sterbesakramente reichen könne, da man ihm doch gesagt habe, daß es ein Jude sei; kurz der Geistliche glaubte sich nicht anders als durch die Taufe des bewußtlos daliegenden Juden aus der Klemme Helsen zu können. Diese nahm er nun auch, wahrscheinlich in der Meinung, daß dieser bald den Geist gusgeben werde, ■in der üblichen Weise vor und

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