Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 12 (September 1858)
- Article
- Italien : Turin [Nachricht]
- Date
- 1858-09-01
- Page
- 657 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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657 6V2 Jahr alten Kinde eines unserer Glaubensgenossen Momolo Mortara verübtwurde, erhaltenhaben. Die ״Gazz. bet popolo" bringt in diesem Betreff eine Correspond enz aus Bologna, welche den Fall ergänzt.- und. das Barbarische des Verfahrens von Seiten der römischen Geistlichkeit erst..Hs rechte Licht stellt. ,,Unsere Stadt (schreibt das genannte Blattst ist in größter Bestürzung, und unsere Glaubensgenossen sind Völler Furcht, da durch die Entscheidung des St. Ufficio, jede israelitische Familie ähnlichen Gewalthaten ausgesetzt ist. Die Inquisition oder das St. Ufficio '. hat nämlich keineswegs Gründe vorgebracht, welche dasselbe ermächtigten, solche Unthat zu begehen, sondern sich darauf beschränkt, dieselbe als eine, geschehene Tharsache anzusehen, über welche von '.der'',obersten Congregation des St. Uflicio zu Rom, dem Gericht der Gerichte, abgeurtheilt ist, und welche die Taufe,- als durch einen Priester geschehen, für gültig erklärt. An der Gültigkeit zweifeln, sei eine Beleidigung gegen dieses hohe Gericht, auf dessen Ausspruch hin der Vater überzeugt sein müsse, daß sein Sohn nicht mehr ihm, sondern der Kirche angehöre, den einzigen Fall ausgenommen, daß der Vater sich entschließen könne, dem Sohne in den neuen Glauben zu folgen. Kein Schritt wurde unterlassen, um solchen grausamen Beschluß rückgängig zu machen; der Vater wendete sich an den Staatssekretair Antonelli, an den Papst, selbst, umsonst. Man ermahnte ihn, sich zu fügen und zu schweigen, wenn er sich nicht größeren Unannehmlichkeiten aussetzen wolle. Das Kind wurde von Häschern des St. Ufficio weggenommen, ohne daß man dem Vater erlaubt hätte, es vor seiner Wegbringung nach Rom noch einmal zu sehen. Da alle israelitischen Familien Bolognas katholische Dienstboten haben, so ist die Angst zu begreifen, in welcher sie ihrer Kinder halber schweben. Die gesammte israelitische Gemeinde hat sich nun an das jüdische Oberconststorium zu Paris und an die Londoner Gemeinde gewendet, damit ihnm durch die Vermittlung der Westmächte Hülfe werde in solcher Calamität. Viele der wohlhabenderen jüdischen Familien haben ihre. Kinder ins benachbarte Modenesische und Toscanische geflüchtet; und solche Barbarei, die man sich im Mittelalter kaum erlaubte, findet im 19. Jahrhundert unter unfern Augen Schutz von der römischen Regierung. Portugal. Lissabon. Seit der Aufhebung der Inquisition 1821 sind die Juden in Portugal geduldet. Man zählt 3000 in Lissabon, die drei Synagogen haben, von denen eine äußerst prächtig ausgestattet ist. Außerdem eristirt noch eine kleine Gemeinde in Oporto. Sie haben alle den Portugiesischen Ritus. Der junge König von Portugal hat sich bei wiederholten Gelegenheiten in sehr wohlwollender Weise für sie aüsgesprechen. Man legt ihm die folgenden bezeichnenden Worte auf einige Bemerkungen gegen die Zulassung von Nicht-Christen als Antwort in den Mund: ״Wir haben einen großen Act der Unbilligkeit in unserer Geschichte wieder gut zu machen." (Arch. Jsr.)