Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Deutschland : Lübeck [Nachricht]
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 607 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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607 — Herr Rabbiner Adler, der abwechselnd m der Lübecker und Morslinger Synagoge predigt, wird seinen Sitz von Moislingen nach Lübeck verlegen. (Einsenb. Zeit.) A us Kurhess en. Die Zeitungen brachten den Tert einer an das Ministerium des Innern gerichteten Eingabe, worin unter Schilderung des angeblichen nachtheiligen , Einflusses, den israelitische Dienstherren auf ihr christliches Gesinde ausüben, die Wiederherstellung einer Bestimmung' des längst verschollenen Judenedicts von 1679 anheim gegeben wird.. Derselbe Artikel enthält auch bereits die von dem Ministeriumauf Veranlassung jener-! Eingabe getroffenen Maßnahmen. Was mit den Verhältnissen vertraute Personen Anfangs nur vermutheten, soll seitdem durch die Resultate der eingeleiteten Untersuchungen volle Bestatigung gefunden haben, daß nämlich der obersten Staatsbehörde falsche Angaben gemacht worden seien. Die Berichte, welche von allen Verwaltungsbehörden des Landes entlaufen, sollen die in der Eingabe enthaltenen Dennneiationen entschieden widerlegen. Das christliche Gesinde befindet sich in leiblicher wie in geistiger Beziehung überall sehr wohl bei seinen jüdischen . Dienstgebern und es hat sich nirgends eine Spur davon ergeben, daß dasselbe, in confesstoneller Beziehung irgend einen Druck zu erleiden habe, oder gar vom Kirchenbesuch abgehalten werde. — Die Gemeinde Mitterode, welche der Eingabe zufolge durch einen einzigen Juden an den Bettelstab gebracht worden sein soll, ist vernommen worden, und die Leute waren sehr erstaunt, als sie den Anlaß ihrer Vernehmung erführen. Die Gemeinde ist durchgehends wohlhabend, und kein Bauer hat über Geschäfte mit Inden Klage zu führen; wohl aber hat die Gemeinde Mitterode ein Strafverfahren gegen denjenigen zu Veranlassen versucht, welcher Wider besseres Wissen ihren Credit zu beeinträchtigen strebe. Für die Annahme, daß der Eingabe unlautere Motive zum Grunde liegen mögen, spricht schon der Umstand, daß der Verfasser.derselben von vornherein als einen Entsteller der Wahrheit sich anknndigt. Er theitt nämlich einen Vorfall,. der vor mehreren Jahren zwischen donmKammerherrn v.Banmhach zu Sontra und einem israelitischen Advocaten vorgekommen ist, in einer Weise mit, als ob derselbe ihm selbst begegnet sei; und er hat dadurch auf jenen Herrn den Verdacht gelernt, als sei derselbe der Verfasser der Eingabe. Ein Berliner Witzblatt hat deshalb auch bereits Veranlassung genouunen, auf die Autorschaft des Herrn v. D au mb ach eine Anspielung zu machen. Hoffentlich wird der.Herr -v. Baumbach selbst jenen Verdacht zurückweisen. Einstweilen sprechen wir unsere Ueberzeugnng dahin aus, daß derselbe, der Verfasser der Eingabe nicht wohl sein , kann, und es bestärken uns in dieser Ueoerzeugung folgende Gründe 1 .׳) der gedachte Herr kann sich schon seiner Stellung wegen nicht dazu verstanden haben, grundlose Verdächtigungen zn erheben. 2) Derselbe steht and; schon seit Jahren mit Israeliten in nahen Veziehungen. 3) Derselbe hat