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Jeschurun · 1858-08-01 · Heft 11 (August 1858) · p. 592

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 11 (August 1858)
Article
Aus Amerika [Aus Norddeutschland] [Nachricht]
Date
1858-08-01
Page
592 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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592 An» Norddeutschland. I. Zweifels aufsteigen und bestehen; man lebte in der Religion und ließ von ihr das Leben regeln und ordnen. Mag auch die Erziehung, die nicht so sehr aufs Erkennen und Znsrchaufnehmcn der heiligen Gesetze bedacht war, wie man es fordern kann, hierauf hingewirkt haben; mag das Beispiel deS Vaters das Kind an die Ausübung der מצות selbst nur gewohnt haben; unbillig und ungerecht ist jedenfalls der Vorwurf ״des verknöcherten Formendienstes", des ״bloßen Ceremomells," der jenen Zuständen so häufig gemacht wird. Ein Formendienst, ein Cerenwniell hätte nicht jene überirdische Gewalt äußern können, hätte nicht jene herrlichen Früchte gereift, die wir noch jetzt bewundern. Nur Eines von Vielen. Wenn der Jude die Woche hindurch vou Gehöfte zu Gehöfte gewandert war, den schweren ״Packen" aus dem Rücken, den Launen des Gutsherrn eben so sehr wie dem Gespöttc des Bauern Preis gegeben, sich schmiegend und bückend, lächelnd zum Spott und zum Hohne, so daß man für seine Menschenwürde und seinen Menschenadel hätte zittern können; wie hob dann eine Sabbathseier den Erniedrigten aus dem Staube, zog die Maske des Alltagsleben vom Gesichte, glättete die sorgenvolle Stirn und ließ das düstere, trübe Auge erglänzen. Dann war er nicht mehr der Gedrückte, Geknechtete, Kriechende nud Schmeichelnde, daun war er frei und stolz iw Bewußtsein seiner Würde , dann fühlte er sich gehoben und gestärkt in der Ueberzeugung ein Glied der Gesammtheit Israels zu sei». Er war in der That der ״verwünschte Prinz," wie der Dichter so bezeichnend ihn nennt, den ״Prinzessin Sabbath" aus dem Banne löst. — Wir brauchen wohl kaum auf das Heiligthum der Familie zu verweisen, wie alle Verhältnisse, daS des Gatten zur Gattin, der Kinder zu den Eltern, des Bruders zur Schwester geweiht und gcbeiiigt waren. Nie ver-- mag cm todtes Ceremvniell solch frisches Leben hervorznrufen! So psianzteu sich diese Zustäube von! Vater zum Sahne und vom Sohne zum Enkel fort, Alle wirkten zum größten Theilc in dem Kreise, t» dem sie geboren und erzogen waren und traten nur selteu aus ihm heraus. Denn der Stand des Sohnes war'durch den des Vaters bestimmt, eine Wahl!war nicht geblieben, jeder Weg war ihnen versperrt und fast auf den Handel allein waren sie beschränkt. Um ihn zu erlernen, suchte man die Fremde nicht; die Kenntnisse des Vaters staudcu dem Sohne zur Seite, seine

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