Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1858)
- Article
- Deutschland : Berlin im April 1858 [Nachricht]
- Date
- 1858-05-01
- Page
- 434 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932858--03637-2942363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
434 wachsenden Interesse für die Bestrebungen des Vereins, welcher, wenn auch ein Theil seiner Mitglieder von den allgemeinen Geschäftsverhältnissen des vorigen Jahres nicht unberührt geblieben, doch nach Abrechnung einiger ausgeschiedenen, gestrichenen und verstorbenen Mitglieder, gegen das Vorjahr um 40 Mitglieder zugenommen und gegenwärtig ca. 440 ordentliche und Ehrenmitglieder zählt. Das Vorstandsmitglied Herr Bodenstein erstattete hierauf den Finanzbericht des vorigen Jahres, welcher ebenfalls in materieller Beziehung einen erfreulichen Beweis von der fortschreitenden Entwickelung der Gesellschaft gewährt, indem trotz der gestiegenen und statutenmäßig überall befriedigten Ansprüche an dieselbe, ihr Vermögen sich um 500 Thlr. gegen das Vorjahr erhöht hat. Die Einnahme an Eintrittsgeldern und Beiträgen der Mitglieder rc. betrugen 1478 Thlr. 8 Sgr. Die Ausgaben belaufen sich auf 990 Thlr. 13 Sgr. 3 Pf., wovon allein 445 Thlr., außer den nicht unbedeutenden Kosten für Arzneien, Bäder 2c. zu direkten Geldunterstützungen verwendet worden sind. Bestand blieben ult. Dezember v. I. baar 7 Thlr. 24 Sgr. 9 Pf. und 2300 Thlr. in Fonds. Die Vereinsärzte haben im abgelaufenen Jahre 101 Patienten behandelt, von denen 94 geheilt und 7 noch in Behandlung sind. Der Vereinswundarzt hat 32 Besuche gemacht. — Das Vorstandsmitglied Herr A. Hehmann berichtete alsdann über das von ihm ins Leben gerufene und von dem Verein dankbar aufgenommene Hülfsinstitut der Gesellschaft zur Unterstützung für Wittwen und Waisen der Mitglieder. Es wurde in dem Bericht hervorgehoben, daß der Grundstein auch für dieses Institut gelegt sei und dasselbe sich, wenn das jetzt herrschende Interesse dafür nicht erkaltet, auch baldigst segensreich entwickeln werde. (V. Z.) Berlin, den 1. April 4858. Der berühmte jüdische Reisende Herr I. I. Benjamin II. aus der Moldau, welcher einen nicht unbedeutenden Theil Asiens und Afrikas durchwandert hat und dessen auch in diesen Blättern schon mehrfach Erwähnung geschehen, befindet sich seit einigen Tagen hier und hat sich der Theilnahme und Anerkennung der ausgezeichnetsten christlichen und jüdischen Gelehrten zu erfreuen. Die Nachrichten, welche uns über unsere Brüder im Orient zugehen, sind so spärlich und der Art zersetzt, daß es als ein wahrhafter Gewinn für die Wissenschaft anznsehen ist, einmal von Augenzeugen Näheres und Ausführliches über sie zu erfahren. Herr Benjamin ist seit jenem Stamms- und Namensgenossen aus Tudela, der erste Jude, welcher es sich zur Lebensaufgabe gestellt den Zustand der Juden in den entferntesten Gegenden kennen zu lernen und sein Augenmerk auf das. bis heute now nicht ergründete Verweilen der zehn Stämme gerichtet hat. Der Reisende scheute keine Mühen und Gefahren; kühn drang er durch die unwirthbareu, wilden Gebirge Kurdistan's, erforschte Assyrien, Babylonien und Persien, durchstreifte Indien bis zur chinesischen Grenze; die ganze berbensche Küste bis zur Sahara und Aegypten wurden von ihm besucht.