Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 6 (März 1858)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
- Date
- 1858-03-01
- Page
- 308 (sequence 1)
- Language
- German
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Moses Mendelssohns Verhältmß zum herzogl. Braunschweigischen Hose von vr. M. Kayserling. II. Herzog Leopold von Braunschweig und die Juden. In unserm vorigen Artikel haben wir die Behauptung ausgestellt, daß Moses M endelssohn's freundschaftlicher Verkehr mit dem Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig von Einfluß auf die Mitglieder des herzoglichen Hauses und dadurch von Bedeutung für die Juden dieses Landes gewesen sei. Ziemlich paradox! werden Manche unsrer Leser sagen. Der Einzelne und selbst ein Mendelssohn konnte unmöglich so einflußreich sein. Nicht Mendelssohns Verdienst ist es, daß die Fürsten aus dem alten Wclfeuhause so freimüthig und offen sich für die Juden aussprachen und ihre Petitionen und Wünsche begünstigten; nicht seine, wie Viele meinen, flüchtige Bekanntschaft mit dem Erbprinzen und spätern Herzog, schaffte den Juden Braunschwetgs Erleichterung, sondern das, was man so gerne und doch so unpassend den Zeitgeist nennt, hat Alles das zu Wege gebracht. Die bessere Gestaltung der politischen Verhältnisse der Juden mußte ohne Weiteres ganz natürlich erfolgen und wäre ohne Mendelssohn, ohne seine Correspondenz mit dem Erbprinzen, ohne seine Besuche am herzoglichen Hofe eben so gewiß gewesen, denn der Zeitgeist, oder was dasselbe ist, der Geist der Zeit fing an, mächtig zu wirken, alles Alte niederzustürzen, die Fesseln des Wahns gewaltsam zu sprengen und neues Licht hervorzulocken. Revolutionen, politische Um- Wälzungen, der Ruf nach Freiheit, welcher in allen Gegenden Enropa'ö damals im Einklänge angestimmt wurde, Aufklärung und