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Jeschurun · 1858-01-01 · Heft 4 (Januar 1858) · p. 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 4 (Januar 1858)
Article
Frankreich : Die bürokratischen Anmaßungen ... [Nachricht]
Date
1858-01-01
Page
214 (sequence 2)
Language
German
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ein Raub bellagenswerther Entzweiung. Der Commissaire-Abrninistrateur (Vorsteher), seines Standes ein Huissier, will als Despot über unsere Glaubensgenossen herrschen. Insbesondere hatte er es aus einige acht-- bare Familien abgesehen, denen er das ganze Gewicht seiner Vorstands- Strenge und seines Stempelpapiers fühlbar machte. Diese Familien, zusammen fünf und zwanzig, die der Behelligungen und Verfügungen dieses Vorstandes müde waren, sahen sich genöthigt, die Synagoge nicht mehr zu besuchen und vereinigten sich in einem Privathause, um dort ihren Gottesdienst zu halten. Sofort Proces-Verbal, Belangung vor die Strafpolizei, Geldstrafen, Prozeßkosten und Ausgaben und Triumph des klägerischeu Vorstehers. Wir kommen noch heimlich zusammen, um zum Gotte unserer Väter zu beten. Man schlüpft verstohlen durch die Hinterthür eines entlegenen Hauses׳, man schließt die Thüre mit Schloß und Riegel, kleine Knaben stehen Schildwach um das Haus, um bei Annäherung eines Polizei-Agenten oder der Sbirren des Vorstandes ein Alarmzeichen zu geben; kurz, wir sind in Spanien, im fünfzehnten Jahrhundert, unter dem Druck eines jüdischen Inquisitors! — Paris, Dezember 1857. Unter der Überschrift Nekrolog enthält der Untv. Zsr. folgenden Artikel: Wessen ist jener bescheidene Leichenzug, der die Straße Picpus herabkowmt und sich schweigend durch ganz Paris zum BegrKbnißort Mont-Parnasse hinbewegt? Welch eine Menge folgt ihm! Man würde es für die Bestattung irgend eines Millionärs halten und es ist gleichwohl nur der Sarg der Armen. *) Wundert eud) nicht, so viele Menschen trauernd dem Leichenwagen der Dürft tigen folgen zu sehen; denn in der Hülle, die dort ruht, schlug eines der edelsten Herzen, die je die Brust eines Sterblichen erfüllt. Es sind die sterblichen Reste Samuel Simones, genannt Schuster, eines siebenzigjährigen Greises, der sein lebelang arm gewesen und zwar so arm, daß er oft nicht das Stückchen Brod zum "Essen hatte; denn das Stückchen, das er hatte, gab er andern Armen. Wer hat nicht diesen großherzigen Bettler gekannt, der um Almosen bat, um damit einer Familie zu helfen, eine Waise zu kleiden, einen Kranken dem Tode, einen beschäftigungslosen Arbeiter den Leiden des Hungers zu entreißen! Darum trauert auch die ganze Gemeinde Paris um ihn und geleitet ihn zu seiner letzten Stätte; das Consistorium, Rabbiner, Wohlthätigkeitsvereine, Alle sind da , um sein Lob auszusprechen und ihm einen Gedanken und eine Thräne zu weihen. Der Herr Oberrabbiner hat an seinem Grabe gesprochen und die Anwesenden durch die Erzählung des so einfachen und so edel erfüllten *) ״Le corMllard des pauvres! Le vehicule funebre des indigents!" Untc rscheid et sich in Paris die Bestattung jüdischer Armen von derjenigen der Reichen, daß man auf den ersten Anblick erkennen kann, wes Standes der Verblichene gewesen? Es ist kaum glaublich! Ueberall sonst umschließt Reich und Arm derselbe Brettersarg und führt derselbe einfache Todtenwagen. Annr. d. Red. d. I.

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