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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1857-12-01
Page
169 (sequence 2)
Language
German
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ISS ״Bei einem Besuche der Morgue, dem Leichenhause, der den Dichter tief erschüttert und den Gedanken an die Vergänglichkeit in ihm geweckt, bricht er in die Worte aus: ״Ja, der Tod ist haßlich. Und wie sehr bedurfte die Religion der Beihülse aller Künste, um ihr Dogma von der Unsterblichkeit und der Wiederaufstehung glaublich zu machen" (!!) " Ich nahm den Arm meines Freundes und zog ihn von dieser Stätte der Verwesung hinweg; und bald standen wir vor dem großen Portale der Liebfranenkirche. Ueber den mächtigen Stetnrosetten trat die Giebelsculptur hervor, vom Neumonde beleuchtet, dessen Stchel soeben in der blauen Dämmerung des Himmels sichtbar ward. Das Bildwerk stellt die Grablegung dar. Wie edel, wie rein, wie göttlich erhaben waren die Züge, war der ganze Körper des Dahingeschiedenen! Der Tod hatte ihn wunderbar verklärt, cs war, als sei die Seelensubstanz, die im Leben nur von Innen und unsichtbar wirken konnte, nun nach Außen getreten und sichtbar geworden. Hier war Schönheit, Verklärung, Ewigkeit! Mein Freund sah mich an — —" Auch den Freund mochte eine solche Rede im Munde eines jübischen Jünglings befremden und überraschen! Wir können uns wohl erklären, daß ein Dichter mit dem sogenannten ceremoniellen Judenthum bricht, und die Schranken und Beengungen, die er in den Geboten und Verboten sieht, niederreißt, um ungehinderter dem Zuge der Muse folgen zu können, wir finden es begreiflich, daß der prosaisch, jüdisch klingende Name ״Levy" dem poetischeren ״Nodenberg" weichen muß; wir haben es leider vielfach erfahren, daß poetische Gemüther für Alles, was ihrem jüdischen Herzen fremd sein sollte, erglühen; daß das Läuten einer Thurmglocke sie fiebern macht, während der Schvfarton kein Echo in ihrer Brust findet; daß eine Sonntagsfeier sie begeistert, während eine Sabbathruhe sie kalt läßt: daß aber ein jüdischer Dichter in dieser Weise mit einem christlichen Publikum liebäugelt, (so wollen wir es, um milde zu sein, nennen) ist eine Erscheinung, die selten ihres Gleichen findet, und die in ihrer Erbärmlichkeit nicht uns allein, sondern auch den christlichen Leser anwidern muß. Sgk. England. London. Am letzten Jahrestage der Missionsgesellschaft schätzte der Präsident die Anzahl aller lebenden Juden auf zehn Millionen und die Zahl der in den letzten fünfzig Jahren Bekehrten auf 1000 und folgert daraus sehr großen Erfolg. Nun werden nach dieser Berechnung auf der ganzen Erde jährlich 200 Juden zum Christenthume bekehrt, während doch jährlich Tausende von englischen Protestanten zum Mor-

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