Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Deutschland : Wien, 15. November [Nachricht]
Date
1857-12-01
Page
168 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932849-2932853--03251-2941878
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Akademie, die Arbeiten Spitzels, gegen welche er natürlich keinerlei wissenschaftliche Bedenken geltend zu machen versuchte, zu verwerfen, und auf die absolute Unfehlbarkeit seiner (Petzvals) Autorität zu schwören. Das hat denn auch die gelehrte Körperschaft gethan: Spitzer wurde desavouirt und Petzval ward der Lorbder zuerkannt. Der junge Gelehrte wußte sich nun zwar über dieses Dementi seiner genialen Arbeiten zu trösten, und er bereitete dieselben zu einer eignen Edition vor, als die hiesige Presse von den widerlichen Schimpfreden Petzvals Notiz nahm und dieselben zum mindesten als höchst unwissenschaftlich bezeichnet. DaS gebildete Publikum, welchem der streng wissenschaftliche Ernst Spitzers bekannt war, entrüstete sich über eine Taktlosigkeit, welche in letzter Instanz auf die ganze Akademie und nicht blos eines ihrer Mitglieder zurückfallen mußte. Die Akademie, in dem Schuldbewußtsein ihres groben Verstoßes, überweist nun die bereits zurückgewiesene Arbeit der abermaligen Prüfung eines andern Gekehrten; dieser empfiehlt ihre Annahme und Edition; wieder in einer feierlichen Sitzung ward darüber debattirt und — Spitzer'sMrbeiten in gewohnter und pflichtschuldiger Weise gewürdigt. Daß dieser kleine Skandal hier viel Aufsehens machte, begreift sich sehr leicht. Dr. Spitzeres Arbeiten werden nun von der Akademie zum Druck vorbereitet und haben das Interesse der Gebildeten bereits in eiuem so hohen Grade angefacht, daß man dem Erscheinen derselben mit Ungeduld entgegensieht. (B. Hz.) Krakau. Ein interessanter Vorfall erregte hier viel Aufsehen. Ein Jude aus einer benachbarten Stadt, ging in Geschäften nach Krakau mit seinem kleinen Sohne, einem schönen, aufgeweckten Knaben. Während einer kurzen Abwesenheit des Vaters blieb der Kleine bei einem Diener, als eine Frau, angezogen durch die Schönheit des Knaben, versuchte, ihn der Obhut des Dieners zu entziehen, unter dem Borgeben, der Knabe sei ein Christenkind. Ungeachtet des Sträubens des^ Knaben, des Vaters und des Dieners bestand das Weib auf ihrer Behauptung und es bedurfte des Einschreitens der Polizei, um sie zur Herausgabe des Knaben zu zwingen. Auf die Frage, warum sie eine solche lügenhafte Behauptung gemacht habe, antwortete sie, der Knabe habe ihr viel zu schön für ein Judenkind geschienen. — (I. C.) Fra nft e i ch. Paris. Dem ״Pariser Bilderbuch" von Julius Rodenberg (Julius Levy ans Rodenberg) entnehmen wir folgende Stelle, die trotz des ernsten Stoffes dm sie behandelt, das Lächerlichste und Erbärmlichste enthält, was von einem Juden geschrieben werden kann, und die wir als Beweis, wie ein jüdischer Dichter empfindet und fühlt, hierher zu setzen uns erlauben. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.