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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 167

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Deutschland : Wien, 16. Novembert [Nachricht]
Date
1857-12-01
Page
167 (sequence 2)
Language
German
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Behörde in Böhmen auf eine. ältere Regierungsvev-rdttung gestützt und damit die entgegenstehenden Bestimmungen der letzteren Jahre übergattgen hatte. Das Ministerium des Innern hat, wie man der Breslauer Zeitung schreibt, aus Anlaß dieses Verfalls an alle politischen Organe die Weisung erlassen, daß ohne spezielle Ermächtigung des Ministeriums ältere Regierungsmaßregeln nicht republieirt werden dürfen. (Z. f. N.) Wien, 15. Novhr. Es ist doch nur Unerquickliches, was ein Wiener Correspondent norddeutschen Journalen zu referiren hat. Und Sie werden darum meiner Saumseligkeit zu Gute halten, wenn ich mich nicht gerade überstürze mit dem ״Neuesten" ich denke, dergleichen Posten kommen immer noch zu früh. Was sollen wohl Ihre Leser dabei verlieren, wenn sie z. B. die ganz beispiellose "Blamage, welche sich unsere Akademie der Wissenschaften kürzlich aus Anlaß der Spitze?scheN Arbeiten zuzog, einige Tage später erfahren. - Dr. Spitzer ist ein junger Gelehrter, dessen treffliche Leistungen im Gebiete der höhern Mathematik ihm schon vor Jahren eine Lehrstelle in der hiesigen polytechnischen Schule eingetragen hatten. Kaum hatte aber der junge Docent sein Amt angetreten, als es sich herausstellte, daß er seinem konfessionellen Bekenntniß nach — Israelit ist. Eine jüdische Mathematik den angehenden Polytechnikern lehren lassen, konnte man natürlich einer österreichischen Kultusbehörde nicht zumuthen. Was sollte auch aus dem Reiche des Konkordats und der Saazer Bürgermeistereien werden, wenn seine künftigen Ingenieure, Baumeister und anderer technologischer Studien beflissenen Männer ihre.Arbeiten nach den Grundlehren jüdischer Messungs- und Rechenkunst trieben! Hr. Dr. Spitzer mußte selbstverständlich zu Ruhm und Heil der gefährdeten Kirche seiner Professur entsagen, und der junge Gelehrte lebte seitdem in stiller Zurückgezogenheit seinen Forschungen, welche gewöhnlich von der ״Kais. Akademie der Wissenschaften" veröffentlicht zu werden pflegten. Nun ist der in der Gelehrten-Welt bereits zu?Insehen gelangte Mathematiker plötzlich in einen wissenschaftlichen Conflikt mit einem unwissenschaftlichen Mitgliede der gelehrten Körperschaft gerathen. Dr. Spitzer hatte einige Arbeiten des Prost Petzval ihres Nonsens entkleidet und sie der Mademie als inhaltlose Produkte einer nominellen Größe charakterisirt. Die Akademie besaß so viel — Selbstverläugnung, die auf sehr detaillirte Forschungen beruhenden Argumente Spitzer's gegen Petzval, au Letztern selbst zur Begutachtung und Referirung zu übertragen. In eider feierlichen Sitzung nun hat sich Petzval seines Auftrags gegen die gelehrte Körperschaft in einer Weise entledigt, welche die Entrüstung des großen Publikums auf die Spitze trieb. Mit einem Aufwande von Schimpfreden, welche ich aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit hier nicht wiederholen kann, und die selbst im ״Lerchenfeld" hinreichen würden, aus jeder socialen Gemeinschaft entfernt zu werden, empfahl er der

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