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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 166

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Deutschland : Berlin, im November [Nachricht]
Date
1857-12-01
Page
166 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Berlin, im November. Die Ernennung eines Israeliten, des Dr. Traube aus Ratibor, zum Professor an der Hiesigen Universität, sowie zum Direktor einer medicinischm Klinik in der hiesigen Charite und zugleich zum Examinator bei der Staatsprüfung für Aerzte möchte wohl der erste Fall in Preußen sein. Wie verlautet, hat man dem Einflüsse Schönleins diese Ernennung hauptsächlich zu verdanken. Prof. Traube sollte schon einem Rufe nach Heidelberg als ordentlicher Professor und Direktor der medicinischm Klinik an der dortigen Universität folgen. Um ihn noch mehr an Berlin zu fesseln, wird für denselben hier auch noch eine propädeutische Klinik eingerichtet. Dr. Traube widmet sich jetzt nur der consultatorischen Praxis. (Sp. Ztg.) Berlin, 22. November. Vor einiger Zeit erregte die Weigerung eines österreichischen Israeliten, Dr. Levit, seinen Sohn durch die gebräuchliche Beschneidungs-Ceremonie in das Judenthum aufnehmen zu lassen, einiges Aufsehen. Bekanntlich ist demselben höheren Orts die Weisung zugegangen, seinen Sohn entweder beschneiden oder taufen zu lassen, da völlig religionslose Individuen im Kaiserstaate nicht geduldet werden könnten. Jetzt hat auch in der hiesigen jüdischen Reformgemeinde durch den Dr. Holdheim statt der Beschneidung eine sie ,,vertretende" religiöse Feier stattgefunden. So berichten öffentliche Blätter von diesem neuen Akt gedankenloser Willkühr. In hiesigen Kreisen fragt man sich, ob denn eine von Gott als Bundeszeichen eingesetzte Handlung sich durch irgend eine willknhrlich erfundene Feier ״vertreten" lasse und ist auf die Folgen gespannt, die dieser Vorgang in der Mitte der hiesigen jüdischen Gemeinde haben werde. Posen, 12. Nov. Der hiesige Dr. jur. Samter, dem vor einiger Zeit Seitens des Justizministers hier die Anstellung als Gerichts- Assessor unter den für ׳Israeliten vorgeschriebenen Beschränkungen verliehen worden war, ist zum besoldeten Stadtrath gewählt worden. Es besteht nunmehr der vierte Theil unseres Magistrats - Collegiums aus Israeliten. Wien, im Nov. Die Beschneidnngs-Angelegenheit des Dr. Levit aus Horic, die wir im Novemberhefte d. I. beleuchtet, hat, wie dem ״T. a. B." berichtet wird, ihre endliche Lösung erfahren. Kein Nabbiner, heißt es im Bescheive, könne angehalten werden, ein Kind, welches nickt beschnitten worden, als Glied der israelitischen Eultusgemeinde anzusehen, da die Beschneidung als unumgängliches Moment hiezu stets gelte. Dr. Levit sei anzuweisen, daß er seinen Sohn entweder beschneid den und in der jüdischen Religion erziehen oder in der christlichen Neligion unterrichten und sofort taufen lasse. Ohne bestimmte Religion könne kein Unterthan geduldet werden. Wien, 16. Novbr. Man wird sich erinnern, daß in einer.die Besitzfähigkeit der Israeliten betreffenden Angelegenheit sich eine politische

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