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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Deutschland : Weilburg [Nachricht]
Date
1857-12-01
Page
164 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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164 worden. Pfarrer Noll schloß seine Anklage gegen Hrn. v. Ziegesar damit, daß er dem Gerichte zur Erwägung gal), ob nicht das Verfahren des Hrn. v. Z. vor seiner Compagnie die Lockerung der Disciplin zur Folge habe, die Untergrabung jeder, der geistlichen und weltlichen Autorität in und außer der Caserne, zuletzt Zuchtlosigkeit, Anarchie, Nevolution. Man erschrickt vor diesen mythischen Ungeheuern, die der Geistliche da heraufbeschwört, erinnert sich aber doch bald, daß daS nur so die gewöhnlichen Phantasmen sind, die eine wohlbekannte Partei, die sich so gerne für eine conservative ausgibt, den ängstlichen Gemüthern im Gefolge Derer zu zeigen pflegt, die sie in ihrem Thun und Treiben nicht gewähren lassen wollen; dagegen ist dem Pfarrer Noll, wie wir wissen, in der gerichtlichen Verhandlung nachgewiesen worden, wie seine Handlungsweise auf dem Friedhose als ein Angriff auf im Staate anerkannte Religionen, auf die Religion des Landesfürsten und obersten Kriegsherrn, von den verderblichsten Folgen sein könne, wenn man ihr nicht rechtzeitig entgegentrete. Und Das gethan zu haben, bleibt das unbestrittene Verdienst des Herrn v. Ziegesar. (F. I.) ** Mainz, 22. November. Von den vielen erschütternden Einzelheiten der stattgehabten furchtbaren Catastrophe möge- Folgendes in Jhrem geschätzten Blatte eine Stelle finden. Einer unsrer Glaubensgenossen, ein geachteter hiesiger Bürger, befand sich mit seinem etwa 8jährigen Söhnchen Geschäfte halber in der Nähe des explodirten Thurmes. Plötzlich fühlt er sich sinken, ein furchtbarer Steinregen fällt auf ihn, nnd der Luftdruck reißt das Kind von seiner Hand. Er ist so glücklich, es wieder zu erfassen, wirft sich rasch auf dasselbe, um es mit seinem Körper zu decken und so ihm wenigstens, wo möglich das Leben zu retten. Er glaubt sich eine sichere Beute des Todes, und sagt zu seinem Kinde: ״Laß uns rasch שמע ישראל sprechen, unsere letzte Stunde hat geschlagen". Das Kind, das von der großen Gefahr wohl keine Ahnung hatte, erwiederte: ״Aber ich habe ja keine Kappe auf" —-dieselbe war ihm weit weggeflogen. ״Thut nichts, sage es nur"! und kaum halten sie das letzte Wort gesprochen, da fühlt der Vater einen Luftzug, er blickt auf und sieht eine Helle Stelle. Er sucht an dieselbe zu kommen, erweitert sie mit aller ihm noch möglichen Kraft und ist so glücklich, sich durchzuarbeiten und sein Kind nachzuziehen. Jetzt aber hat er ein grausenerregendes Schauspiel vor sich, rings um ihn, Alles in Trümmern, hier Menschen, die theils schon tobt, theils noch mit dem Tode ringen, dort Pferde, die von den Steinen erschlagen rc., so daß seine Rettung ihm noch um so wunderbarer erscheinen muß. Eine Kruste von Kalk, Pulver und Blut hatte eine Art Helm auf seinem Kopfe gebildet, die ihn theils vor stärkerer Verletzung, theils vor gänzlicher Ver- Llutung schützte. Er ist zwar mit Wunden bedeckt, doch keine ist lebensgefährlich, während das Kind ganz unversehrt blieb, nur war es in den

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