Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Deutschland : Seligenstadt [Nachricht]
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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160 sprechen wurden; mithin wurde nur 1 Jude verurtheill. Den Hofgerichten lagen im selben Jahre 1404 Untersuchungen vor, welche 1801 Angeschuldigte betrafen; vavon wurden 1770 verurtheill und befinden sich unter dieser Zahl 20 Juden. Die Bezirksämter haben im Jahre 1652 3039 Untersuchungen gegen 4109 Angeschuldigte geführt, wegen solcher Vergehen, deren Bestrafung ihnen zusteht. Von diesen wurden 3661 verurtheill, worunter 92 Juden. Den Strafanstalten wurden im Jahre 1652 neu eingeliefert 1575 Personen, worunter 12 Juden. Preußen. Unter 1500 Sträflingen im Gefängniß zu Imsterbürg befinden sich nur neun Juden. Ihre Speisen werden laut Befehl der Regierung nur mit Milch zubereitet, so daß sie nicht gezwungen sind, ihre Speisegesetze zu übertreten; auch leitet ein dazu bestimmter Rabbiner jeden Samstag ihren Gottesdienst, ebenso haben sie auch die Erlaubniß, religiöse Bücher, die ihnen von der Gefängnißverwaltung gegeben werden, zu lesen. (D. G.) Dänemark. Kopenhagen, 7. Novbr. Wie man auch über die gegenwärtige dänische Regierung und über das dänische Volk urtheilen mag, Eines muß zugestanden werden, nämllch, daß kaum ein anderer europäischrr Staat sich einer solchen religiösen Freiheit erfreut, wie die dänische Monarchie. Die politische, bürgerliche und theilweise auch die sociale Gleichstellung der Juden ist, obwohl von Kopenhagen der erste (?) ״Hep! Hep!" - Ruf ausging und sich nach Deutschland verbreitete, seit den letzten 2—3 Decennien eine vollendete Thatsache, wozu wohl am meisten(?) der Umstand beigetragen hat, daß Mischehen zwischen Juden und Christen, wenn auch nur gegen Uebernahme der Verpflichtung, die Kinder sämmtlich in der christlichen Religion erziehen zu lassen, gestattet, im Königreich Dänemark schon zu einer Zeit erlaubt und üblich waren, als sie auf dem europäischen Continente noch zu den Seltenheiten gehörten. Auch die Regierung ertheilte an talentvolle Juden eben so willig Aemter und Würden wie an Christen. Es ist daher allerdings eine auffallende Erscheinung, daß in den letzten 30 Jahren die Zahl der Juden in Kopenhagen sich nicht unbedeutend, meist durch Uebertritte^ zum Christenthum, vermindert hat. Der vorige Reichstag nahm ein Gesetz an, daß die K i n d t a u f e nun nicht mehr nöthig sein solle, sondern es in Jedermanns Belieben stehe, diese vornehmen zu lassen oder nicht. In der jetzigen Reichstags-Session liegt ein Gesetzentwurf vor, demzufolge auch bei Nichtgetauften Vas Erbrecht nicht verloren gehen soll. — Bei dieser Gelegenheit dürsten nachfolgende statistische Notizen, dem ״Statistischeu Tabelleuwerk" entnommen, nicht ohne Interesse auch für das Ausland sein. Nach der letzten Volkszählung in der dänischen Monarchie (1855) standen außerhalb der sogenannten ״Staatskirche" 18,663 Personen. Die meisten davon (8263) sind Juden, oder, wie sie in der ossiziellen Beziehung heißen, ״Mosaiien". Dann folgen die Römisch- Katholischen (3036), die Reformirten (2633), die Mormonen (2046,