Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Deutschland : Nürnberg [Nachricht]
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS und steht im ausfallenden Contrast zu der ersten Gesellschaft der Stadt, dem Museum, wo ein jüdischer Bankier Mitglied ist ist. Die ״Harmonie", welche übrigens auch statutenmäßig Offiziere aus ihren Versammlungen ausgeschlossen hat, zählt meistens Kaufleute zu ihren Mitgliedern, aber auch Gewerbtreibende, die sich mebr der Fabrikation zuwenden. Die hier wohnenden Israeliten find alle wohlhabend und treiben Geschäfte. Die Aufnahme derselben in den Gemeindeverband kostete manchen harten Kampf und ist jetzt noch mit Schwierigkeiten verknüpft. Und doch verdankt man zunächst den Juden, daß sich der Hopfenhandel für Süddeutschland hier concentrirt hat. Es werden jährlich allein in diesem Artikel wohl etliche Millionen umgesetzt. Seligenstadt, 15. Okt. Anfangs d. M. wurde ein hier wohnender junger Handelsmann in der Nähe Aschaffenburg's, auf dem Wege nach dem Dorfe Leider, von drei mit Knitteln bewaffneten Burschen angegriffen und bis an den unweit davon entfernt fließenden Mainfluß verfolgt. Daselbst angekommen, mußte derselbe, um sich zu retten, sich in den Fluß stürzen; er erreichte schwimmend das jenseitige Ufer. Obgleich seine Verfolger ihm während der Tour über den Main Steine nachwarfen, so wurde er dennoch nicht verletzt. Als Beweggrund dieser That kann nach genau eingezogenen Erkundigungen Folgendes angegeben werden: An diesem Abend wurde ein in Aschaffenburg wohnender Schneidergeselle, der mit einer Bäuerin von Leider ein Verhältnis unterhält, auf dem Wege zu dem Rendezvous von diesen Burschen 'geprügelt und schwer verletzt.- Dem diesen Burschen nach dieser That zufällig begegnenden jungen Manne sollten auch gelegentlich eine Portion Prügel zugetheilt werden, und zwar nur aus dem Grunde, weil er ein Jude sei. Die Thäter erzählten einige Tage darnach, daß sie einen Juden verfolgt und in den Main gesprengt hätten. In Folge dieser Aeußerungen wurde eine Untersuchung eingeleitet und die Thäter inhaftirt. (F. I.) Baden. Einer nach ofsiciellen Angaben in der ״Minerva" veröffentlichteu statistischen Zusammenstellung entnehmen wir folgende Notizen. Die Volkszählung im Dezember 1855 ergab als Gesammtbevölkerung des Großherzogthuws 1.314,387 Einwohner, worunter 23,248 Juden; davon wohnen im Seekreis 1587, ״ Oberrheinkreis 4212, ״ Mittelrheinkreis 6938, ״ Unterrheinkreis 10,511. Die Abnahme der obengenannten Gesammtzahl ergiebt gegen die Volkszählung von 1852 eine Verminderung von 42,371 Seelen oder 3,12 Prozent, welche hauptsächlich durch die Auswanderung erklärt wird. Die Verminderung ver Juden seit 1852 beträgt 451 Seelen oder 1,90 Prozent. Im Jahre 1852 wurden den Schwurgerichten 317 Augeklagte überwiesen, von denen 295 vernrtheilt und 22 freigesprochen wurden. Unter diesen befanden sich 3 Juden, von welchen aber 2 freige-