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Jeschurun · 1857-09-01 · Heft 12 (September 1857) · p. 655

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Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 12 (September 1857)
Article
Rußland [Nachricht]
Date
1857-09-01
Page
655 (sequence 2)
Language
German
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stehen, was Alles unter dem gegenwärtigen humaneren Seepter geschehen könnte und wie sich die dortigen Verhältnisse in jeder Hinsicht so trübe gestalten, wie sich unter diesen vielen Juden kein Einziger bis jetzt gefunden, der im Stande wäre für sein Volk und die heilige Sache des Judenthums in die Schranken zu treten, so überkommt Einem das traurige, schmerzliche Bewußtsein, daß wir noch selten verstanden haben, die Zeiten zu verstehen und zu benutzen und die ganze, trübe Leidensschule uns noch immer nicht gereift hat. Wenn unsere russischen Brüder nicht lernen von den deutschen und französischen Zuständen, so werden auch sie in der über Rußland zu tagen beginnenden Civilisation das väterliche Heiligthum gefährdet sehen. — Daß jedoch noch immer die dichten Schalten des alten Absolutismus (wir möchten hoffen, daß es nur noch die letzten verschwindenden Schatten wären), über den Häuptern unserer Brüder in Rußland schweben, tritt aus so manchen Anzeichen leider noch immer zu Tage. So fand sich nach dem U. Jsr. vor einiger Zeit in den polnischen Blättern ein Erlaß des Civilgouverneurs, den wir seiner offenbaren Willkühr und Ungerechtigkeit halber hier folgen lassen: ״die Stadt Suwalki, Departements Augussow, mit 4000 christlichen und 7000 israelitischen Einwohnern, gebraucht mehrere Schlachter. Der Vorzug wird den christlichen Schlachtern gegeben werden, die sich in Suwalki niederlassen werden, mit der Garantie, daß keinem Israeliten erlaubt wird, Fleisch in der Stadt zu verkaufen. Die-privilegirten Schlack)- Lcr werden selbst allein, berechtigt sein, den Israeliten der Stadt das Koscherfleisch das ihnen von der Synagoge vorgeschrieben ist, zu verschaffen." Polen □ Warfchau. Nach einer von Herrn von Monkhanoff veröffentlichten Statistik Polens zählte das Königreich im Jahre 1855 565,877 jüdische Seelen und 2489 getaufte Juden. Es bestanden nach ihm 5 Elementarschulen für Juden und 1 Rabbiuerschule. Im Ganzen genossen 2564 Juden öffentlichen Unterricht. Der theilweise Grund dieser unverhältnißmäßig geringen Schul- und Schülerzahl kann aus folgenden Notizen v. I. (L den Stand der jüdischeu Schulen in Warschau entnommen werden. Unter den 119 Schulen dieser Stadt sind nämlich nur 5 jüdische, (wie diese Zahl mit der oben angeführten in Einklang zu bringen ist, wiffen wir nicht.) Das Rabbinerseminar mit 163 Studirenden; 4 Primärschnten für Knaben mit 334 Schülern, und 1 für Mädchen mit 139. Für diese Schulen sind zusammen 11 Lehrer da, die von der Regierung aus einer Steuer bezahlt werden, der von den Juden zu diesem Zwecke erhoben wird. Die Schülerzahl aller jüdischen Schulen ist 636, während die Gesammtzahl der Schüler sich aus 9949 belauft. Die Äesammtbevölkerung von Warschau beträgt 156,072, unter welcher sich 40,922 Juden befinden. Dies beweist, daß die Juden genug bezahlen, daß ihnen aber nicht die gehö-

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