Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 630 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932848-2941452--02928-2941519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
630 Grundlinien einer jüdischen Symbolik. Heimnisse ist durch Vermittelung des Symbols unmöglich. Erinnern wir uns, daß der Vorzug der Symbolmittheilung nicht in der Klarheit und Deutlichkeit des Inhalts, sondern in der größer», anhaltender!! und liefern Selbstthätigkcit besteht, mit welcher durch das Symbol dieser Inhalt ausgenommen, eingeprägt und festgehalten wird, so werden wir ohnehin uns sagen, daß die Bestimmung symbolischer Mittheilung nicht sowohl in Offenbarung neuer Wahrheiten, als vielmehr in tieferer und nachhaltigerer Einprägung bereits bekannter alter Wahrheiten zu suchen sei. Wie aber der Inhalt des Symbols eine Vertrautheit dessen, an den es gerichtet ist, mit dem Gegenstände seines Inhalts voraussetzt und ihm dadurch nichts völlig Unbekanntes mitgetheilt werden kann, so muß auch der Urheber des Symbols eine Vertrautheit mit den physischen, socialen oder historischen Merkmalen des symbolischen Gegenstands in ihren Beziehungen zu dem durch ihn symbolisch zu vergegenwärtigenden Begriffe voraussetzen und kann seine Gedanken nur durch solche Gegenstände symbolisch zur Anschauung bringen wollen, deren Beziehungen zu den auszudrückenden Begriffen nicht außerhalb der Gedankensphäre derer liegen, die durch das Symbol den beabsichtigten Gedanken sich aneignen sollen. 15. Alle diese vorbereitenden Bemerkungen werden uns wohl die Ueberzeugung gebracht haben, daß eine Symbolik, d. h. eine Wissenschaft der Erforschung der in einem bestimmten Kreise gegebenen Symbole, kein Gebiet ist, aus welchem jeglicher Willkühr Thür und Thor geöffnet wäre und wo Witz und ״Geistreich thun" sich in ihren ersten besten Einfällen uncontrollirt zu tummeln vermöchten, daß wir damit vielmehr ein Feld des ernstesten Ernstes betreten, wo über etirc jede Annahme, daß etwas überhaupt 'ein Symbol und dies sein Inhalt sei, das schärfste, wissenschaftliche Richteramt geübt werden könne und müsse. Nach diesen vorbereitenden Bemerkungen gehen wir zu dem eigentlichen Gegenstände unserer Betrachtungen, zu dem Versuche, die Grundlinien einer jüdischen Symbolik zu zeichnen, über.