Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Elul
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 612 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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611 Elul. und dabet den Verführungen, Verlockungen, Verhöhnungen und Wtderstrebungcn der eigenen Brüder abgcrungen werden muß. Die Gefahren sind da. Die Versuchungen sind gegeben — soll die neue Zeit nicht auch zu neuen Triumphen führen? Nicht neue Kämpfer^ neue Begeisterung und neue Siege lehren? Wie am ersten Elul einst stehen wir rathlos in der Wüste. Uns war auch eine hohe Sendung für eine neue Zukunft anvertraut und — wir haben diese hohe Sendung kaum begriffen, meist verscherzt. Was Jahrhunderte, Jahrtausende lang unter Druck und Hohn, unter Schmerz und Marter in Verkümmerung, in Werkennung und im Widerspruch gegen eine ganze Welt siegreich von uns erhalten worden, das hätten wir jetzt in der Freiheit und in der Freude, im Lichte einer uns besser verstehenden und ihre Anerkennung nicht versagenden Welt, getragen von einem Schatze neuer, nie geahnter, geistiger und materieller Kräfte und Mittel, zur vollern, heiter glücklichen Verwirklichung bringen können, — hätten der Welt, bei welcher endlich der in . sie gestreute Funke vom jüdischeu Gott- und Mcnschcn-Bewußtsein aufzugehcn und an der Erlösung der Menschheit von Barbarei und Knechtschaft, von geistigem Wahn und sittlicher Entwürdigung zu arbeiten begonnen, das volle Licht der jüdischen Gottverhcrrlichung durch ein durch und durch Gott geweihtes Menschenleben entgegeutragen können — hätten Juden, freie Juden, gebildete Juden, geachtete Juden sein und die ganze Herrlichkeit dieses Inden-Seins und Lebens zum leuchtenden Wahrzcichen einer ein neues Wahrzeichen suchenden Zeit erheben können — und was haben wir von allem Diesen gethan? Was sind wir von allem Diesen geworden? Statt uns und daS von unfern Vätern mit ihrem Herzblut erkaufte Gottesgesctz als die Erlösung der Zeiten zu begreifen, haben wir die Zeit als unsere Erlöserin von uns selbst, als die Entbinderin von unserer gottgcprägten Eigcnthümlichkeit, als die Befreierin von dem uns von Gott gegebenen Gesetz begrüßt. Statt die neugeöffnete Welt mit allen ihren Blüthen und Schätzen, mit all ihren Erkenntnissen und Gaben als einen neuen, günstigcrn Boden zu betreten, auf welchem nun mit um so frischerer Begeisterung und um so freudigerer Hingebung das alte Gottesgesetz zur Verwirklichung kommen solle, haben wir sie als ein Terrain