Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 12 (September 1857)
- Article
- Elul
- Date
- 1857-09-01
- Page
- 605 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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604 Elul. Sie standen am Scheidewege. Die Vergangenheit war verscherzt. Wird ihnen die Pforte zu einer neuen Zukunft geöffnet werden? Wird ihr Herr und Meister zum zweitenmale das große Werk ihren Händen anvertrauen? Zum zweitenmale ihnen die Tasein seines Gesetzes zum Unterpfand für ihre Botschaft an die Menschheit übergeben? Es war der siebenzehnte Thamus, der die Tänze um das goldene Kalb und die Gesetzestafeln in Scherben gesehen. Es waren die Monate Thamus und Aw, in welchen das Volk bange der Entscheidung über ihre Zukunft entgegenharrte. Es blieben die Monate Thamus und Aw alle Folgezeit, die ganze thränenreiche Geschichte der jüdischen Jahrhunderte hindurch, die Zeit, in welche fast alle Katastrophen sielen, die das Geschick dieses Volkes mit Schmerz und Trauer erfüllten. Und es war erst der neunundzwanzigste Aw, an welchem Gott zu Moscheh gesprochen: ״Mache dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten, ich schreibe auf diese Tafeln dieselben Worte wieder, die auf den ersten Tafeln gewesen, die du gebrochen. Sei bereit A zum Morgen und steige am Morgen den Sinai hinan, und warte meiner dort auf dem Gipfel des Berges!" Und am ersten Elul stieg Moses mit zwei neuen Tafeln den Sinai hinan und es ließ sich die Herrlichkeit Gottes neben ihn nieder und verkündete ihm, wie der barmherzige Gott immer derselbe barmherzige Gott sei, vor der Sünde und nach der Sünde des Menschen, immer in 'seiner Allmacht bereit, aufs neue den Boden und die Kraft zu einem ganz neuen Leben zu gewähren, barmherzig und gnadenvoll, langmüthig und reich an Liebe und Wahrheit, die Liebe an tausend Geschlechter bewahrend, hinweghebend die Verkehrtheit, den Abfall und Fehl, aber auch nichts ungeahndet hingehen lassend, ahndend die Verkehrtheit der Väter an Kindern und Enkeln, an drittem und viertem Geschlecht! Da warf sich Moses zur Erde und sprach, o, daß du Gott in unserer Mitte'wandeltest! Und ist es ein hartnäckiges Volk, so wirst du unserer Verkehrtheit und unserm Fehl verzeihen und uns dafür ganz als dein Eigenthum hinnehmen! Und aufs neue errichtete Gott sein Bündniß mit Israel, es mit seiner Wundermacht in die Mitte der Volker als sein Fingerzeig htnzupffanzen, warnte es aber vor der Verführung der Völker, warnte es vor ihren Altären und Denkmälern, vor ihren Göttern und Töch-