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Jeschurun · 1857-08-01 · Heft 11 (August 1857) · p. 597

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 11 (August 1857)
Article
Deutschland : aus dem herzoglichen Nassau [Nachricht]
Date
1857-08-01
Page
597 (sequence 2)
Language
German
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§97 erworben hat, von dem Herzog von Nassau zum Obermedicinalrath ernannt worden ist. Hamburg im Juli. So lange Juden existiren, bestehen auch überall wohlthätige Vereine und wenn es irgendwo an den Tag getreten ist, was menschliche Bereinigung zu Stande zu bringen fähig ist, so war es in dieser Vereinigung zu den schönsten, heiligsten Zwecken. Nie ist es irgend einem Machthaber, selbst in den finstersten Zeiten des Mittelalters, eingefallen, sich in die Verwaltung dieser Vereine׳ einzudrängen. Auch hatten sich unsere praktischen Alten nicht so sehr viel mit Ausar- Leitungen von Statuten, Niedersetzung von Commissionen und Abhaltung von Generalversammlungen befaßt. Das Vertrauen belehnte die Verwaltung mit Macht und die größte Unbestechlichkeit, die strengste Gewissen- Hastigkeit und treueste Hingebung waren beinahe die einzigen Behörden, denen man Rechenschaft abzulegen hatte. Wenn nun in jüngster Zeit es verlautet, daß man damit umgehe, von den Vereinen Satuten und Rechenschaftsablage zu verlangen und zwar an eine nicht innerhalb des Vereins stehende Behörde, wem! es wahr ist, daß man unsere schon seit Jahrhunderten so segensreich wirkende Vereine der Controle der Behörde unterstellen will, so fühlen wir uns gedrungen, Namens sämmtlicher hier in Hamburg bestehender menschenfreundlicher Anstalten dagegen feierlichst und entschieden Protest einzulegen und die freie Selbstständigkeit derselben zu verwahren. Nur in freier, lediglich von ihren eigenen Mitgliedern überwachter Vereinsverwaltung kann auch für unsere Gegenwart und Zukunft das Heil aus diesen Vereinen ersprießeu, was die Bergangenheit in so reichem Maaße aus denselben geschöpft hat. Mögen unsere Vereine darum fest und entschieden eine jede staatliche Einmischung zurückweisen. Engl a 11 d. London, 11. Juli. In der gestrigen Nachtsitzung des Oberhaufee wurde die Judenbill mit 173 gegen 138 Stimmen'verworfen. — Der Saal war in allen Räumen (die Damengalerie mitgerechnet) gedrängt voll, als Lord Granville sich erhebt und bei der Motion auf zweite Lesung der Eidbill den Schreiber des Hauses beauftragt, den Wortlaut der jetzt üblichen Parlamentseide zu verlese!'!. Er verbreitet sich dann über den Wust des Unnöthigen, Ungehörigen und Lächerlichen, der in den Eiden -enthalten ist, und wiederholt das so oft angewandte Argmuent, daß die Schlußformel ״beim wahren Christenglauben" ursprünglich gar nicht die Ausschließung der Juden bezweckt habe, heutzutage aber ein Borwand und Mittel barbarischer Verfolgung geworden sei. Er bekämpft darauf das Entchristlichungs - Gespenst, indem er daran erinnert, daß England nichts von seinem Christenthum deßhalb eingebüßt, weil die Unitarier, die Ouäker und andere Sectemnitglieder, weil sogar Deisten, von Juden gewählt, im Parlament sitzen. Im Alterthun! hätten Chrifreu im römischen Senat gesessen, warum sollten sie heutzutage nicht 35 *

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